Einladung Frankfurt 2014

9. - 11. Mai 2014
Gemeinsame Frühjahrsveranstaltung in Frankfurt/Main
(im Bürgerhaus SAALBAU Bornheim)

von

Vereinigung Demokratische Zahnmedizin (VDZM)

und

Deutscher Arbeitskreis für Zahnheilkunde (DAZ)

 

 

Samstag, 10. Mai 2014

 

10.00 -13.00 Uhr:

N.N.

Gesundheitspolitischer Vormittag

 

14.00 -18.00 Uhr:

Dr. med. dent. Claudia Christan

Dr. med. dent. Claudia Christan

Zahnärztin in Berlin mit Schwerpunkt Parodontologie

Innovationen und Bewährtes für ein parodontologisches Behandlungskonzept in der Praxis – welcher Cocktail soll es bitte sein ?

Vortrag und Diskussion


Die Parodontitis ist bekannt als eine multifaktorielle „Volkskrankheit“. In den letzten 15Jahren wissenschaftlicher Forschung rückte die Zahnmedizin wieder näher an die Medizin heran, so dass ein differenzierteres, ätiopathogenetisches Verständnis dieser Krankheit entstanden ist. Ihre erfolgreiche Therapie ist damit nicht nur die Basis jeder weiterführenden zahnärztlichen Behandlung, sondern greift auch in das gesundheitliche Wohlbefinden des Parodontitispatienten ein. Vor dem Hintergrund immunologischer, genetischer und mikrobiologischer Einflußfaktoren stellt sich die Frage: Was kann mit einer Parodontitistherapie langfristig überhaupt erreicht werden und wo sind uns Grenzen gesetzt ? Wie beeinflussen neue Erkenntnisse die Therapie? Wo können uns Innovationen unterstützen, und nützen sie dem Patienten?
Der Vortrag und die Diskussion soll Antworten auf diese Fragen finden und zu einem praxisrelevanten Konzept zusammenführen.


Für die Fortbildungsveranstaltung am Nachmittag wird von niedergelassenen Zahnärzten/innen ein Tagungsbeitrag von 50 Euro erhoben. Die Teilnahme am Gesundheitspolitischen Vormittag ist für alle Interessierten kostenfrei.

 


 

Sonntag, 11. Mai 2014

 

10.00 -14.00 Uhr

VDZM-Mitgliederversammlung
(Auch Freunde und Interessierte sind hierzu herzlich eingeladen)


Tagungsort: Bürgerhaus Bornheim (Saalbau GmbH), Arnsburger Straße 24, 60385 Frankfurt am Main.

Link: Anreise zum Tagungshaus


Rückfragen an:

 

VDZM
Adenauerallee 58, D-53113 Bonn
Tel.: (02 28) 21 12 96
Fax: (02 28) 92 65 51 08
eMail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

 

 

Nocebo und Placebo – Zahnmedizin zwischen Ideologie und Kommerz

Prof. Hans-Jörg Staehle auf der Herbsttagung der VDZM in Marburg am 12. Oktober 2013Prof. Hans-Jörg Staehle auf der VDZM-Herbstveranstaltung 12.10.2013

Was ein „Placebo“ ist, wissen die meisten recht gut. Aber was bedeutet „Nocebo“? Als Fachreferent erläuterte Prof. Dr. Dr. Hans-Jörg Staehle, es gehe in beiden Fällen um Effekte, die durch Vorerwartungen des Patienten geprägt und durch die Arzt-Patient-Kommunikation verstärkt werden. Informationen, Botschaften und Interaktionen wirken sich stark auf das Behandlungsergebnis aus. Erst langsam reift die Erkenntnis, dass dies nicht nur für unterstützende, positive Wirkungen gilt (Placebo), sondern dass Botschaften, die Zahnärzte und Ärzte aussenden, auch negative Wirkungen haben können (Nocebo). Der Wirkmechanismus ist psychologischer Natur: Verbale und nonverbale Informationen sowie Suggestionen manipulieren die Erwartungshaltung des Patienten in eine negative Richtung. Bedeutsam ist das bei Patientenaufklärung, -beratung, und -führung sowie bei der Entscheidung vor Interventionen

Nocebos manipulieren Patientenentscheidungen

Was hat das mit „Zahnmedizin zwischen Ideologie und Kommerz“ zu tun, wie der Untertitel von Staehles Vortrag lautete? Manche Zahnärzte und Ärzte setzen Informationsvermittlung bewusst ein, um Entscheidungen der Patienten für eine Therapie zu steuern. Im Sinne des „Kommerzes“, dem „Verkauf“ zahnärztlicher Dienstleistungen, werden dem Patient die Vorteile der einen Therapie in leuchtenden Farben geschildert („Das CAD-CAM-gefertigte Keramikinlay hält lange“) und die Alternativtherapie in ein schlechtes Licht gerückt („Direkt gefertigte Kompositfüllungen enthalten potenziell gesundheitgefährdende Stoffe“). Weitere Beispiele, so der Referent, fallen bei der Versorgung von Einzelzahnlücken auf, wenn Implantate empfohlen werden, obwohl die lückenangrenzenden und gegenüberliegenden Zähne seit Jahrzehnten stabil sind. Zahnärztliche Webseiten, zeigte der Referent, listen zur Manifestation des Behandlungswunschs angebliche Folgen bei Nichtversorgung der Zahnlücken auf bis hin zu Kopfschmerzen und Tinnitus. Was aber ist, wenn der Patient sich etwa aus finanziellen Gründen nicht für die Therapie entscheidet? Die Suggestion von negativen Folgen kann zum Nocebo-Effekt führen. Der Patient ist verunsichert und nimmt banale, eigentlich vorübergehende Symptome übersteigert wahr.

Eine „Nocebo-Kaskade“ sieht Staehle folgendermaßen, vorstellbar etwa bei der Haltung gegenüber zahnärztlichen Füllungsmaterialien: Zuerst wird in der Bevölkerung ein unspezifisches Gefühl des Unbehagens erzeugt, es folgt das Wachhalten des kursierenden „Nocebogefühls“ in der Bevölkerung, sodann werden die latenten Nocebovorstellungen mittels Mutmaßungen individualisiert, für häufig vorkommende unspezifische Beschwerden wird ein vermeintlicher Auslöser der Beschwerden angeboten, vorgeblich objektive „Testergebnisse“ verfestigen und konkretisieren das Ganze, so dass abschließend ein ausreichender Noceboeffekt aufgebaut ist.

Nocebo-Effekte – Befürchtungen können krank machen

Nocebowirkungen gelten allgemein als unbeabsichtigt und unerwünscht. Überraschend für die Zuhörer war, dass es jedoch auch bewusst eingesetzte Nocebos gibt. Solche, so Staehle, gebe es bei „Profiteuren im teilprivatisierten Gesundheitswesen“ unter den schulmedizinisch orientierten Zahnärzten. Daneben gebe es viele Nocebovorstellungen die auf ideologischen Überzeugungen basieren, insbesondere in der alternativen, komplementären Zahnmedizin. Die Gesprächsführung geht dann vielleicht in die Richtung „Sie sind vergiftet.“
Problematisch wird es, wenn sich der Noceboeffekt chronifiziert. Das kann bei Patienten mit somatoformen Störungen der Fall sein. Es handelt sich dabei um unspezifische körperliche Beschwerden wie Müdigkeit oder Erschöpfung ohne organische Erkrankung. Wenn Patienten mit hoher Empfindlichkeit für Noceboeffekte auf „Überweiserketten“ von Ärzten und Zahnärzten treffen, besteht die große Gefahr ein Über- und Fehltherapie. Alternative Heilmethoden seien in diesen Fällen alles andere als sanft, sondern führten zu teilweise hoch invasiven und irreversibel schädlichen Therapien, wenn Zähne extrahiert und Knochen „ausgefräst“ wird.

Durch Komplementärmedizin, auch Homöopathie, würden Noceboeffekte gefördert, die später mit Placebos bekämpft würden. Verblüffenderweise ist die Placebowirkung komplementärer Therapiemaßnahmen umso stärker, je mehr zuvor der Noceboeffekt aufgebaut wurde.

Selbsthilfepotenzial des Patienten restaurieren

Bei Patienten, die dem Noceboeffekt anheim gefallen sind, gelte es, beruhigend zu wirken und den Circulus vitiosus aus Nocebo und Placebo zu unterbrechen. Selbsthilfekapazitäten werden wieder geweckt, indem der Patient aktiv bei der Verbesserung der Mundhygiene eingebunden wird, ihm Lob mit Hinweisen auf Erfolge zuteil werden.

Als eine der Möglichkeiten, um bei jungen Zahnmedizinabsolventen dem Glauben an Heilsversprechen vorzubeugen, nannte Prof. Staehle eine höhere Qualifizierung. Er sprach sich für eine strukturierte Weiterbildungsphase aus, die in Zahnarztpraxen stattfindet. Hierüber, so die Teilnehmer der Diskussion, wird noch zu reden sein.

   

Playback in die 1970er

Playback-Theater Köln am 12.10.2013 in MarburgDie Herbsttagung der VDZM fand am 11. Oktober 2013 in Marburg statt, an dem Ort, wo die Vereinigung 1978 gegründet wurde. Die VDZM setzt sich für eine zahnmedizinische Gesundheitspolitik ein, die an den Ursachen von Zahnerkrankungen ansetzt und von sozialer Verantwortung gegenüber den Patienten geprägt ist. Gründungsmitglieder berichteten über Anfangshoffnungen und den einen oder anderen Rückschlag. Der abendliche Kulturbeitrag des „Playback-Theaters Köln“ dramatisierte diese sehr persönlichen Erfahrungen der vergangenen 35 Jahre auf expressive und humorvolle Weise.

   

Pressemitteilung:

 

Selbst viermal jährlich reicht nicht

 

Defizite in der Mundgesundheit bei Pflegebedürftigen, pflegebedürftigen Behinderten und Demenzerkrankten

 

Bonn, 22. Oktober 2013. Pflegebedürftige Menschen sind oft unzureichend zahnmedizinisch versorgt und haben häufig ein vernachlässigtes Gebiss. Nach Ansicht der Vereinigung Demokratische Zahnmedizin e. V. (VDZM) reicht es nicht aus, dass eine Zahnarzthelferin beispielsweise viermal jährlich den Pflegebedürftigen aufsucht und eine Zahnreinigung durchführt. Solche Vorstellungen der Zahnärzteschaft griffen zu kurz. Vielmehr gehe es darum, jeden Tag für eine gute Zahn-, Mund- und Prothesenpflege zu sorgen, auf eine zuckerarme Ernährung zu achten und Fluorid anzuwenden. Die pflegenden Personen seien hierfür zwar verantwortlich, aber auf Grund mangelnder Kenntnisse  dazu nicht  ausreichend in der Lage. Deshalb ist es dringend erforderlich, durch mehr Information und eine spezielle Aus- und Weiterbildung der pflegenden und betreuenden Personen  die Mundgesundheit bei Pflegebedürftigen, pflegebedürftigen Behinderten und Demenzerkrankten zu verbessern. Ehrgeiziges Ziel könnte die Sicherstellung einer Mundgesundheit sein, die der einer vergleichbaren Altersgruppe der Normalbevölkerung entspricht oder sogar noch besser ist.

Zentraler Punkt der Verbesserungsvorschläge der VDZM ist die Stärkung der Mundgesundheitskompetenz der Pflegenden.

Konkret fordert die VDZM das Bundesgesundheits- und das Familienministerium auf, die Zahnpflege in der Altenpflege-Ausbildung verpflichtend zu verankern. Ebenfalls ist eine gezielte Weiterbildung in den pflegenden und betreuenden Berufsgruppen zu installieren.  Denn diesen hinsichtlich Mundgesundheit speziell ausgebildeten Pflegefachkräften  erwächst insbesondere im ambulanten Bereich eine wichtige Aufgabe: Sie sollen durch ihre Hilfestellung und praktischen pflegefachlichen Anleitungen die häuslich Pflegenden unterstützen, deren Kompetenz erweitern und so die Qualität der Mundgesundheit verbessern.

Auch eine  Untersuchung mindestens einmal im Jahr durch den Zahnarzt muss verpflichtender Standard sein. Außerdem sollte bei der Reform der zahnärztlichen Approbationsordnung ein Pflegepraktikum berücksichtigt werden. Den angehenden Zahnmedizinern würden auf diese Weise Kenntnisse über das Pflegesystem und altersgerechte Versorgungsformen vermittelt.

Die VDZM diskutierte diese Vorschläge auf ihrer Herbsttagung in Marburg. Zu deren Auftakt hatte Prof. Dr. Dr. Hans-Jörg Staehle, Universität Heidelberg, eine noch wenig bekannte Gefährdung des Patienten, den „Noceboeffekt "erläutert. Dieser bildet das Pendant zum Placeboeffekt. Nocebos, also schädigende Wirkungen entstehen, so Staehle, wo zahnärztliche Kommunikation bewusst zur Manipulation eingesetzt wird, sei es aus ideologischen oder kommerziellen Interessen. Durch einseitige Schilderung von angeblich negativen Auswirkungen preiswerter Therapien wie Füllungen „verkaufen“ manche Zahnärzte teure Alternativen wie Keramikinlays. Genauso problematisch sind nach Staehle therapeutische Interventionen zu bewerten, die aus ideologischen Gründen erfolgen. Beispiele hierfür sind Entfernungen von gesunden Zähnen, weil sie angeblich Fernwirkungen auf ein anderes erkranktes Organ ausübten, oder massive Knochenausfräsungen nach Wurzelerkrankungen. Eine ausführlichere Dokumentation von Prof. Staehles „Nocebo-Kaskaden“ und der „Nocebo-Placebo-Zahnmedizin“ findet sich auf der VDZM-Homepage unter www.vdzm.de.

Staehle rät jungen Zahnmedizinabsolventen zu einer höheren Qualifizierung, um dem Glauben an Heilsversprechen vorzubeugen. Er sprach sich für eine strukturierte Weiterbildungsphase aus, die in zertifizierten Zahnarztpraxen stattfinden sollte.

Natürlich wurde auch darüber kontrovers diskutiert, wie es sich für eine Jubiläumsveranstaltung der VDZM gehört. Hier in Marburg vor 35 Jahren gegründet hat sie sich in all den Jahren dafür eingesetzt, die Sicherung und Verbesserung der Mundgesundheit als sozialer Verantwortung gegenüber den Patienten zu verstehen. Gründungsmitglieder berichteten über Anfangshoffnungen, politische Erfolge, aber auch von Rückschlägen. Der abendliche Kulturbeitrag des „Playback-Theaters Köln“ dramatisierte diese Erfahrungen der vergangenen 35 Jahre auf expressive und humorvolle Weise.

V.i.S.d.P.:                  

Dr. Jochen Bauer, Vorsitzender der VDZM