Einladung Bonn 2018

  
Herbstveranstaltung 2018 in Bonn

 

 

Freitag, 26. Oktober 2018

ab 19.30 Uhr

Geselliger Auftakt in der Gaststätte „Miebachs", Markt 8.

 

 

Samstag, 27. Oktober 2018

(im Haus der Evangelischen Kirche Bonn, Adenauerallee 37, 53113 Bonn)

10.00-13.00 Uhr:

Rüdiger Saekel, Bonn

Evaluation verschiedener Zahngesundheitssysteme
Resultate für Deutschland und ausgewählte hochentwickelte Länder (Aktualisierung einer früheren Studie)

Kann man die Zahngesundheit einer Bevölkerung in einer Maßzahl ausdrücken und falls ja, wie? In welchem hochentwickelten Land weist die Bevölkerung die beste Zahngesundheit auf? Wie ist die Zahngesundheit der Bevölkerung in Deutschland international einzustufen? Hängt das Niveau der Zahngesundheit vom jeweiligen Zahngesundheitssystem ab? Ist die Patientenzufriedenheit in allen Zahngesundheitssystemen ähnlich hoch?
Gibt es deutliche Effizienzunterschiede zwischen verschiedenen Ländern und verschiedenen Systemen?

       
14.00-17.00 Uhr:

Dr. Jochen Bauer, Dr. Thomas Bröhl und andere

Hat die Soziale Zahnmedizin unter den heutigen Bedingungen noch eine Chance?

Von strukturellen und fachlichen Defiziten in der zahnmedizinischen Versorgung in Deutschland.

Die Privatisierungsspirale in der Zahnmedizin dreht sich nicht erst seit Einführung der Festzuschüsse. Aber das Ausmaß ist neu, kaum noch eine Leistung, die gesetzlich Versicherten nicht als zuzahlungspflichtige Privatleistung verkauft wird. Zu den nicht gelösten Problemen einer Unter-, Über- und Fehlversorgung kommt die Gefahr, dass der Patient durch finanzielle Überforderung von einer notwendigen zahnmedizinischen Versorgung ausgeschlossen wird.

Welche Rolle spielen Politik und Krankenkassen dabei, wie haben sich die Gewerkschaften positioniert? Lässt sich in einer Praxis unter den heutigen Bedingungen überhaupt noch eine soziale Zahnmedizin betreiben? Sind alternative Praxisformen ein Lösungsansatz?

Diese und weitere Fragen wollen wir diskutieren und freuen uns darüber, dass wir Vertreter verschiedener Praxisformen gewinnen konnten, die ihre Konzepte vorstellen werden.

 

ab 19.00 Uhr

Treffen in der Gaststätte „Bühne", Kapuzinerstraße 13,
53111 Bonn.

 

Sonntag, 29. Oktober 2018

10.00-14.00 Uhr:

(im MIGRAPOLIS, Brüdergasse 18, 53111 Bonn)
VDZM-Mitgliederversammlung




Anmeldung

Eine Anmeldung zu den Veranstaltungen ist nicht zwingend notwendig, aber im Interesse der Planung wünschenswert.

Tagungsbeitrag

Es wird ein Kostenbeitrag von 50 € (niedergelassene Zahnärztinnene/-ärzte) bzw. 25 € erhoben.

Kontakt

VDZM, Adenauerallee 58, D-53113 Bonn
Tel.: (0228) 211296, Fax (0228) 92655108, eMail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

Normal 0 21 Prof. Dr. Dr. Hans Jörg Staehle
 

Gemeinsame Pressemitteilung von VDZM und DAZ

  

 Problematische Antibiotikaverordnungen in zahnärztlichen Praxen

     
Bonn/Berlin, 17.5.2018. Fast jede zehnte Antibiotika-Verordnungen in Deutschland wird von Zahnärzten ausgestellt. Zu diesem kritischen Tatbestand referierte die Apothekerin Dr. Constanze Schäfer auf der diesjährigen gemeinsamen Frühjahrstagung der Vereinigung Demokratische Zahnmedizin (VDZM) und des Deutschen Arbeitskreises für Zahnheilkunde (DAZ). Die Verordnungen sind deshalb problematisch, weil nachweislich bei einem breiten Einsatz eines Antibiotikums Bakterien auf verschiedenste Weise schon nach wenigen Jahren resistent reagieren. Aufgrund des eintretenden Wirkungsverlusts des Medikaments muss dann auf ein Reserveantibiotikum zurückgegriffen werden, welches eigentlich nur bei schwerwiegenden Infektionen eingesetzt werden sollte.

So verordnen Zahnärztinnen und Zahnärzte bereits häufig das Reserveantibiotikum Clindamycin. Zwar hat sich die Verordnung dieses Medikaments nach den im Arzneiverordnungsreport veröffentlichten Daten erfreulicherweise von 40 Prozent (2013) auf 29 Prozent (2017) reduziert. Aber dennoch gehen immer noch 60 Prozent aller Clindamycin-Verordnungen zu Lasten von Zahnärzten. Frau Dr. Schäfer wies darauf hin, dass es keine Vergleichsstudien gibt, die bei zahnärztlichen Indikationen eine Überlegenheit dieses Antibiotikums gegenüber den Standardantibiotika belegen.

Ursächlich für die Verordnungsauswahl der Zahnärzte könnten vermutete Allergien sein. Viele Patienten geben auf dem Anamneseformular in der Zahnarztpraxis an, auf Penicilline allergisch zu reagieren. Bei Viruserkrankungen, etwa dem Pfeifferschen Drüsenfieber, verordnen Ärzte im Fall von sekundären bakteriellen Infektionen Antibiotika. Tritt ein Exanthem auf, wird dieses häufig als Zeichen einer Arzneimittelallergie interpretiert. Tatsächlich sind jedoch viele dieser Exantheme durch die Viruserkrankung selbst und nicht durch das Antibiotikum verursacht. Daher ist es sinnvoll, die Patienten zu bitten, bei Vermutung einer Penicillinallergie dies vom Hausarzt abklären zu lassen. Die Testung ist wenig aufwendig und eine tatsächlich diagnostizierte Allergie wird dann im Allergiepass dokumentiert.

Antibiogramme haben in der zahnärztlichen Praxis eine geringe Bedeutung. In der Regel ergeben sie ohnehin nur den Hinweis auf die Wirksamkeit der Standardantibiotika, wie Amoxicillin mit oder ohne Clavulansäure oder in Kombination mit Metronidazol.

Die Therapiedauer, so Frau Dr. Schäfer, sollten Zahnärztinnen und Zahnärzte ebenfalls in den Blick nehmen. Als Standardempfehlung gilt derzeit nicht mehr eine festgelegte Einnahmedauer, sondern die Empfehlung das Antibiotikum nach Abklingen der Symptome noch 48 Stunden weiter einzunehmen und es dann abzusetzen.

Dr. Jochen Bauer, Vorsitzender der VDZM: „Die Kollegenschaft ist aufgerufen, bei der Indikation und der Auswahl von Antibiotika wesentlich kritischer als bisher zu verfahren."

  

V.i.S.d.P.:        
Dr. Celina Schätze, Vorsitzende des DAZ
Dr. Jochen Bauer, Vorsitzender der VDZM

 

Das PA-Konzept der VDZM:

- Sozial verträglich und ohne Zuzahlung für GKV-Mitglieder -
    

Die Vereinigung Demokratische Zahnmedizin (VDZM) strebt einen Ausbau der Parodontitis-Behandlung für alle gesetzlich Versicherten an. Im Zentrum der „PA-Behandlung“ steht die in der Zahnarztpraxis vorgenommene Reinigung der Zahnwurzeloberflächen unterhalb des Zahnfleischrands, also in den Zahnfleischtaschen.
Gleichzeitig müssen die Patienten in die Lage versetzt werden, durch eine verbesserte häusliche Mundhygiene und effektive tägliche Plaque-Entfernung ihren Teil zum „Biofilm-Management“ beizutragen. Hierzu sollten ihnen Mundhygiene- Fertigkeiten vermittelt werden, die über das Zähnebürsten bei nicht von Parodontitis betroffenen Menschen hinausgehen.
Momentan ist die Versorgung der Patienten mit einer systematischen Behandlung der Parodontitis noch unvollständig. Im Leistungskatalog der Krankenkassen sind Screening, Diagnostik sowie die Behandlung – insbesondere die Reinigung der Zahnfleischtaschen – enthalten. Es fehlen jedoch noch wesentliche Leistungen für Parodontitis-Patienten:

  • Mundgesundheitsaufklärung vor der Behandlung
  • Strukturierte Nachsorge (unterstützende Parodontitistherapie, UTP):
  • Kontrolle nach der Behandlung (Re-Evaluation)
  • Wiederholte Reinigung der nach der Behandlung noch verbliebenen Zahnfleischtaschen

Die VDZM hält es für erforderlich, diese Maßnahmen zur Parodontalbehandlung in den Leistungskatalog der GKV zu implementieren.
Zuzahlungen durch den Patienten sind nicht vorzusehen, schließlich  handelt es sich hier um eine behandlungsbedürftige Erkrankung.

Die Grundzüge des Versorgungskonzepts sind wie folgt:

  • Die gesamte Parodontalbehandlung ist als Leistung niedrigschwellig vorzusehen, damit möglichst viele erkrankte Patienten behandelt werden können.
  • Bisherigen Antrags- und Begutachtungsverfahren entfallen; sie sind bei Sachleistungen ohnehin nicht zwangsläufig notwendig, und bei unwirtschaftlicher Leistungserbringung  verfügen KZVen und Krankenkassen schon heute über erprobte Regelungsmechanismen.
  • Die Leistungen sind im Rahmen des Zahnheilkundegesetzes und des Einsatzrahmens für fort- und weitergebildetes Assistenzpersonal delegierbar. Anamnestische, diagnostische und begleitende therapeutische Maßnahmen – wie Anästhesien – bleiben in der zahnärztlichen Zuständigkeit.
  • Personenkreis: Versicherte mit tiefen Zahnfleischtaschen (wie bisher: Sondiertiefe gleich/größer 3,5 mm)

Initialbehandlung

Neben der Befundung und Dokumentation der Behandlungsnotwendigkeit je Zahn gehören die "Prognose" (Bestimmung des individuellen Erkrankungsrisikos) und die „Mundgesundheitsaufklärung“ (mündliche und ggf. praktische Mundhygieneanleitung, ggf. Hinweis auf ärztliche Behandlung von Allgemeinerkrankungen (z.B. Diabetes) sowie ggf. auf Einstellen oder Einschränken des Tabakkonsums als wesentlichem pathogenen Faktor) zum integralen Bestandteil der Leistung.  
Der weitere Leistungsinhalt: Entfernung der supra- und subgingivalen, klinisch erreichbaren Beläge und Konkremente, maschinell oder manuell je Zahn (ein- oder mehrwurzelig) sowie Beseitigung der PA-Störfaktoren wie überstehende Füllungsränder, Entfernung nicht erhaltungsfähiger Zähne, etc. Dabei ist eine Differenzierung der bestehenden Leistung „geschlossenes Vorgehen“ bei der Zahnfleischtaschenbehandlung in die Leistungen „P200a/ P201a“: Sondiertiefe 3,5 – 5,5 mm und Leistungen „P200b/ P201b“: Sondiertiefe ≥ 5,5 mm vorzusehen.

Nachsorge

Die Notwendigkeit der Nachsorge ist wissenschaftlich unbestritten. In den Leistungskatalog der GKV sind deshalb folgende neue Leistungen in der Nachsorge nach PA-Behandlung (unterstützende Parodontitistherapie, UPT) aufzunehmen.:

  • Kontrolle nach der Behandlung (Re-Evaluation), erstmals beispielsweise nach sechs Wochen,
  • Wiederholung der Mundhygieneaufklärung
  • erneute Messung der Sondiertiefen.

Sollten sich noch Behandlungsbedarf ergeben, wird eine Nachbehandlung der noch verbleibenden Zahnfleischtaschen gemäß dem Leistungsinhalt der P200a/b bzw. P201a/b eingeleitet.
Die weiteren Nachsorgetermine richten sich nach der Einteilung der Parodontitis in Schweregrade: abhängig vom Schweregrad ist der Zeitpunkt der erneuten Re-Evaluation, bei schwerer Parodontitis z. B. nach vier Monaten vorzusehen.

Das hier vorgeschlagene neue Parodontis-Versorgungskonzept ist geeignet, das Voranschreiten der Parodontitis breitenwirksam stark zu vermindern. Das ist ein wesentlicher Beitrag zu mehr Mundgesundheit, mehr Zahnerhalt und damit zu mehr Lebensqualität.