Einladung Bonn 2014


Herbstveranstaltung 2014 in Bonn

(im Haus der Evangelischen Kirche Bonn,
Adenauerallee 37, 53113 Bonn
)

 

 

Freitag, 26. September 2014

ab 20.00 Uhr

Geselliger Auftakt im im Bistro „Miebachs", Markt 8,

 

 

Samstag, 27. September 2014

10.00-13.00 Uhr:

Das AQUA-Institut – Chance einer externen
Qualitätssicherung der zahnärztlichen Versorgung?

Dr. Rugzan Hussein
Dr. Gerald Willms

AQUA-Institut, Göttingen


 

14.00-17.00 Uhr:

Chronischer Kiefer- und Gesichtsschmerz –
(k)ein zähnärztliches Problem?

ZA Wolfgang Seuser, Bonn

Wolfgang Seuser, BonnIm Unterschied zum akuten Schmerz, hat der langanhaltende Schmerz (chronischer Schmerz der länger als 3 Monate anhält) seine Warnfunktion verloren und ist zum eigenständigen Krankheitsbild geworden. Im Rahmen der Schmerzchronifizierung treten biochemische und physiologische Veränderungen in der Schmerzwahrnehmung, der Reizweiterleitung und in der Schmerzverarbeitung im zentralen Nervensystem auf.

In der Regel benötigen Patienten mit chronischen Kiefer- und Gesichtsschmerzen eine fachübergreifende interdisziplinäre Diagnostik und Therapie. Der Zahnarzt kann in diesem Zusammenhang als Spezialist für
sein Fachgebiet fungieren und eine Koordinationsfunktion übernehmen. Der Kenntnis und Differenzierung unterschiedlicher Schmerzgeschehen kommt dabei eine entscheidende Bedeutung zu.

 

 

Sonntag, 28. September 2014

10.00-14.00 Uhr:

VDZM-Mitgliederversammlung

Konferenzzimmer des Sternhotels, Markt 8




Anmeldung

Eine Anmeldung zu den Veranstaltungen ist nicht zwingend notwendig, aber im Interesse der Planung wünschenswert. Zimmerreservierungen bitte direkt über das VDZM-Büro.

Tagungsbeitrag

Für die Fortbildungsveranstaltung am Nachmittag wird ein Kostenbeitrag von 50 € erhoben. Die Teilnahme an der Vormittagsveranstaltung ist für alle Interessierten kostenfrei.

Kontakt

VDZM, Adenauerallee 58, D-53113 Bonn
Tel.: (0228) 211296, Fax (0228) 92655108, eMail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

Normal 0 21 Prof. Dr. Dr. Hans Jörg Staehle
 

Nocebo und Placebo – Zahnmedizin zwischen Ideologie und Kommerz

Prof. Hans-Jörg Staehle auf der Herbsttagung der VDZM in Marburg am 12. Oktober 2013Prof. Hans-Jörg Staehle auf der VDZM-Herbstveranstaltung 12.10.2013

Was ein „Placebo“ ist, wissen die meisten recht gut. Aber was bedeutet „Nocebo“? Als Fachreferent erläuterte Prof. Dr. Dr. Hans-Jörg Staehle, es gehe in beiden Fällen um Effekte, die durch Vorerwartungen des Patienten geprägt und durch die Arzt-Patient-Kommunikation verstärkt werden. Informationen, Botschaften und Interaktionen wirken sich stark auf das Behandlungsergebnis aus. Erst langsam reift die Erkenntnis, dass dies nicht nur für unterstützende, positive Wirkungen gilt (Placebo), sondern dass Botschaften, die Zahnärzte und Ärzte aussenden, auch negative Wirkungen haben können (Nocebo). Der Wirkmechanismus ist psychologischer Natur: Verbale und nonverbale Informationen sowie Suggestionen manipulieren die Erwartungshaltung des Patienten in eine negative Richtung. Bedeutsam ist das bei Patientenaufklärung, -beratung, und -führung sowie bei der Entscheidung vor Interventionen

Nocebos manipulieren Patientenentscheidungen

Was hat das mit „Zahnmedizin zwischen Ideologie und Kommerz“ zu tun, wie der Untertitel von Staehles Vortrag lautete? Manche Zahnärzte und Ärzte setzen Informationsvermittlung bewusst ein, um Entscheidungen der Patienten für eine Therapie zu steuern. Im Sinne des „Kommerzes“, dem „Verkauf“ zahnärztlicher Dienstleistungen, werden dem Patient die Vorteile der einen Therapie in leuchtenden Farben geschildert („Das CAD-CAM-gefertigte Keramikinlay hält lange“) und die Alternativtherapie in ein schlechtes Licht gerückt („Direkt gefertigte Kompositfüllungen enthalten potenziell gesundheitgefährdende Stoffe“). Weitere Beispiele, so der Referent, fallen bei der Versorgung von Einzelzahnlücken auf, wenn Implantate empfohlen werden, obwohl die lückenangrenzenden und gegenüberliegenden Zähne seit Jahrzehnten stabil sind. Zahnärztliche Webseiten, zeigte der Referent, listen zur Manifestation des Behandlungswunschs angebliche Folgen bei Nichtversorgung der Zahnlücken auf bis hin zu Kopfschmerzen und Tinnitus. Was aber ist, wenn der Patient sich etwa aus finanziellen Gründen nicht für die Therapie entscheidet? Die Suggestion von negativen Folgen kann zum Nocebo-Effekt führen. Der Patient ist verunsichert und nimmt banale, eigentlich vorübergehende Symptome übersteigert wahr.

Eine „Nocebo-Kaskade“ sieht Staehle folgendermaßen, vorstellbar etwa bei der Haltung gegenüber zahnärztlichen Füllungsmaterialien: Zuerst wird in der Bevölkerung ein unspezifisches Gefühl des Unbehagens erzeugt, es folgt das Wachhalten des kursierenden „Nocebogefühls“ in der Bevölkerung, sodann werden die latenten Nocebovorstellungen mittels Mutmaßungen individualisiert, für häufig vorkommende unspezifische Beschwerden wird ein vermeintlicher Auslöser der Beschwerden angeboten, vorgeblich objektive „Testergebnisse“ verfestigen und konkretisieren das Ganze, so dass abschließend ein ausreichender Noceboeffekt aufgebaut ist.

Nocebo-Effekte – Befürchtungen können krank machen

Nocebowirkungen gelten allgemein als unbeabsichtigt und unerwünscht. Überraschend für die Zuhörer war, dass es jedoch auch bewusst eingesetzte Nocebos gibt. Solche, so Staehle, gebe es bei „Profiteuren im teilprivatisierten Gesundheitswesen“ unter den schulmedizinisch orientierten Zahnärzten. Daneben gebe es viele Nocebovorstellungen die auf ideologischen Überzeugungen basieren, insbesondere in der alternativen, komplementären Zahnmedizin. Die Gesprächsführung geht dann vielleicht in die Richtung „Sie sind vergiftet.“
Problematisch wird es, wenn sich der Noceboeffekt chronifiziert. Das kann bei Patienten mit somatoformen Störungen der Fall sein. Es handelt sich dabei um unspezifische körperliche Beschwerden wie Müdigkeit oder Erschöpfung ohne organische Erkrankung. Wenn Patienten mit hoher Empfindlichkeit für Noceboeffekte auf „Überweiserketten“ von Ärzten und Zahnärzten treffen, besteht die große Gefahr ein Über- und Fehltherapie. Alternative Heilmethoden seien in diesen Fällen alles andere als sanft, sondern führten zu teilweise hoch invasiven und irreversibel schädlichen Therapien, wenn Zähne extrahiert und Knochen „ausgefräst“ wird.

Durch Komplementärmedizin, auch Homöopathie, würden Noceboeffekte gefördert, die später mit Placebos bekämpft würden. Verblüffenderweise ist die Placebowirkung komplementärer Therapiemaßnahmen umso stärker, je mehr zuvor der Noceboeffekt aufgebaut wurde.

Selbsthilfepotenzial des Patienten restaurieren

Bei Patienten, die dem Noceboeffekt anheim gefallen sind, gelte es, beruhigend zu wirken und den Circulus vitiosus aus Nocebo und Placebo zu unterbrechen. Selbsthilfekapazitäten werden wieder geweckt, indem der Patient aktiv bei der Verbesserung der Mundhygiene eingebunden wird, ihm Lob mit Hinweisen auf Erfolge zuteil werden.

Als eine der Möglichkeiten, um bei jungen Zahnmedizinabsolventen dem Glauben an Heilsversprechen vorzubeugen, nannte Prof. Staehle eine höhere Qualifizierung. Er sprach sich für eine strukturierte Weiterbildungsphase aus, die in Zahnarztpraxen stattfindet. Hierüber, so die Teilnehmer der Diskussion, wird noch zu reden sein.