Gemeinsame Pressemitteilung von VDZM und DAZ

  

 Problematische Antibiotikaverordnungen in zahnärztlichen Praxen

     
Bonn/Berlin, 17.5.2018. Fast jede zehnte Antibiotika-Verordnungen in Deutschland wird von Zahnärzten ausgestellt. Zu diesem kritischen Tatbestand referierte die Apothekerin Dr. Constanze Schäfer auf der diesjährigen gemeinsamen Frühjahrstagung der Vereinigung Demokratische Zahnmedizin (VDZM) und des Deutschen Arbeitskreises für Zahnheilkunde (DAZ). Die Verordnungen sind deshalb problematisch, weil nachweislich bei einem breiten Einsatz eines Antibiotikums Bakterien auf verschiedenste Weise schon nach wenigen Jahren resistent reagieren. Aufgrund des eintretenden Wirkungsverlusts des Medikaments muss dann auf ein Reserveantibiotikum zurückgegriffen werden, welches eigentlich nur bei schwerwiegenden Infektionen eingesetzt werden sollte.

So verordnen Zahnärztinnen und Zahnärzte bereits häufig das Reserveantibiotikum Clindamycin. Zwar hat sich die Verordnung dieses Medikaments nach den im Arzneiverordnungsreport veröffentlichten Daten erfreulicherweise von 40 Prozent (2013) auf 29 Prozent (2017) reduziert. Aber dennoch gehen immer noch 60 Prozent aller Clindamycin-Verordnungen zu Lasten von Zahnärzten. Frau Dr. Schäfer wies darauf hin, dass es keine Vergleichsstudien gibt, die bei zahnärztlichen Indikationen eine Überlegenheit dieses Antibiotikums gegenüber den Standardantibiotika belegen.

Ursächlich für die Verordnungsauswahl der Zahnärzte könnten vermutete Allergien sein. Viele Patienten geben auf dem Anamneseformular in der Zahnarztpraxis an, auf Penicilline allergisch zu reagieren. Bei Viruserkrankungen, etwa dem Pfeifferschen Drüsenfieber, verordnen Ärzte im Fall von sekundären bakteriellen Infektionen Antibiotika. Tritt ein Exanthem auf, wird dieses häufig als Zeichen einer Arzneimittelallergie interpretiert. Tatsächlich sind jedoch viele dieser Exantheme durch die Viruserkrankung selbst und nicht durch das Antibiotikum verursacht. Daher ist es sinnvoll, die Patienten zu bitten, bei Vermutung einer Penicillinallergie dies vom Hausarzt abklären zu lassen. Die Testung ist wenig aufwendig und eine tatsächlich diagnostizierte Allergie wird dann im Allergiepass dokumentiert.

Antibiogramme haben in der zahnärztlichen Praxis eine geringe Bedeutung. In der Regel ergeben sie ohnehin nur den Hinweis auf die Wirksamkeit der Standardantibiotika, wie Amoxicillin mit oder ohne Clavulansäure oder in Kombination mit Metronidazol.

Die Therapiedauer, so Frau Dr. Schäfer, sollten Zahnärztinnen und Zahnärzte ebenfalls in den Blick nehmen. Als Standardempfehlung gilt derzeit nicht mehr eine festgelegte Einnahmedauer, sondern die Empfehlung das Antibiotikum nach Abklingen der Symptome noch 48 Stunden weiter einzunehmen und es dann abzusetzen.

Dr. Jochen Bauer, Vorsitzender der VDZM: „Die Kollegenschaft ist aufgerufen, bei der Indikation und der Auswahl von Antibiotika wesentlich kritischer als bisher zu verfahren."

  

V.i.S.d.P.:        
Dr. Celina Schätze, Vorsitzende des DAZ
Dr. Jochen Bauer, Vorsitzender der VDZM

 

Gemeinsame Pressemitteilung von VDZM und DAZ

  

 Sicherung der Praxishygiene zur Kammeraufgabe machen!

     
Bonn/Berlin, 23. Mai 2017. Diese Forderung erhoben die Teilnehmer der Vereinigung Demokratische Zahnmedizin (VDZM) und des Deutschen Arbeitskreises für Zahnheilkunde (DAZ) auf ihrer diesjährigen Frühjahrstagung in Frankfurt. Anlass war der Vortrag von Dr. Andreas Dehler von der Landeszahnärztekammer Hessen über Hygienevorschriften und deren Kontrollen bei Praxisbegehungen.

Zu Beginn schilderte Dr. Dehler in einem kurzen historischen Abriss, wie es zu den heute geltenden Hygienevorschriften gekommen und wer für ihre Einhaltung zuständig ist. Dabei wurde das Ausmaß des Problems deutlich. So liegt die Zuständigkeit für die Praxisbegehungen zwar bei den einzelnen Ländern, aber innerhalb dieser bei den verschiedenen Regierungsbezirken. Und die beauftragen wiederum unterschiedliche Ämter. Unabhängig davon mischen die Berufsgenossenschaft und die Ordnungsämter auch noch mit. Heraus kommt dabei ein völlig unterschiedliches Prüfgebaren, was für erhebliche Unsicherheit bei den Praxisbetreibern sorgt.

Am Beispiel seiner Checkliste für Hygienebegehungen von Zahnarztpraxen in Hessen zeigte Dr. Dehler detailliert auf, wie umfangreich nicht nur Aufklärung, Dokumentation und apparativer Aufwand für die Praxishygiene geworden sind – sondern auch welche räumlichen Voraussetzungen dafür geschaffen werden müssen.

Nicht nur kleinere, sondern auch ältere Praxen, die in ihrer Gründungsphase noch nach damals hochaktuellen Hygienekonzeptionen aufgebaut wurden, stoßen bei den gestiegenen Anforderungen – insbesondere an die Räumlichkeiten zur Instrumentenaufbereitung und -lagerung – an ihre Grenzen. Bislang fehlt ein umsetzbarer Entwurf eines platzsparenden und dennoch hygienesicheren Verfahrenskonzepts mit bundesweiter Anerkennung. Hier machten VDZM und DAZ dringenden Handlungsbedarf seitens der Körperschaften aus.

Dass bei den Aufbereitungsverfahren die Relevanz der Risikoeinstufung (unkritisch, semikritisch A, semikritisch B, kritisch A und kritisch B) für die zahnärztliche Praxis noch mit erheblichen Zweifel behaftet ist, wurde nur am Rand erwähnt. Aber umso bedenklicher stimmte die Teilnehmer der Tagung, dass in den maßgeblichen Expertengremien die einschlägige Industrie massiv vertreten ist. Um dem Verdacht zu entgehen, dass man dadurch den Herstellern die Bühne gibt, um mit überzogenen Anforderungen den Markt für eigene Produkte auszuweiten, muss der Gesetzgeber unabhängigen Stellen die Validierungs- und Überwachungsrechte übertragen. Die entsprechende Weiterbildung ist ohnehin schon Aufgabe der Kammern. VDZM und DAZ fordern den Gesetzgeber auf, diese mit der Überprüfung der Praxishygiene nach bundeseinheitlichen Standards zu beauftragen. Ob die Kammern dann die Praxisbegehungen in Eigenregie durchführen oder damit bei ihr akkreditierte Dienstleistungsunternehmen beauftragen, sollte dabei keine Rolle spielen. Wesentlich ist nur, dass die Zahnärzte in Deutschland wieder einen verlässlichen Planungs- und Handlungsspielraum erhalten, der eine hygienebewusste Behandlung unter alltäglichen Praxisbedingungen zulässt.

  

V.i.S.d.P.:        
Dr. Celina Schätze, Vorsitzende des DAZ
Dr. Jochen Bauer, Vorsitzender der VDZM


 

Pressemitteilung zur VDZM-Herbsttagung

  

Von unbewältigter Vergangenheitsbewältigung und diskriminierender Kostenverlagerung

     
Bonn, 18.10.2016. Eine verantwortungsvolle Aufarbeitung der Zahnmedizin im Nationalsozialismus sowie eine kritische Betrachtung der zunehmenden Kostenbelastung der Patienten durch Zuzahlungen standen im Mittelpunkt der Herbsttagung der VDZM in Kassel.

 

Aktueller Anlass war das gerade erschienene Buch mit dem Titel „…total fertig mit dem Nationalsozialismus“? – „Die unendliche Geschichte der Zahnmedizin im Nationalsozialismus“.    von Dr. Wolfgang Kirchhoff und Frau Prof. Claris-Petra Heidel.


Dr. Kirchhoff, Gründungsmitglied der VDZM, hat sich seit Jahrzehnten intensiv mit dem Thema beschäftigt. Bei der Vorstellung des Buches betonte er, dass erstmals ausführlich auch die Rolle der Oppositionellen und Widerständler aus den Reihen der Zahnmedizin aufgearbeitet werde. Zur Erinnerung: Nach der Machtübernahme Hitlers hatte sich der Reichsverband der Zahnärzte als erste akademische Organisation  freiwillig dem NS-Regime unterstellt. Zuerst wurden  die Kollegen mit unerwünschten politischen Einstellungen - zum Beispiel Sozialdemokraten - in Konzentrationslager gesperrt. Danach wurden die jüdischen Zahnärzte verfolgt, und ihnen wurde schrittweise die Berufserlaubnis entzogen. Diejenigen, die bis 1941 nicht ins Exil flüchten konnten, wurden in Vernichtungslager deportiert und mit wenigen Ausnahmen umgebracht. Versorgungseinrichtungen wie  Zahnambulatorien , die in der Weimarer Republik gut funktioniert hatten, wurden aufgelöst. Versorgungsdefizite waren bald danach die Folge.  Die zahnmedizinische Wissenschaft lieferte Beiträge zur Durchführung von Sterilisationen und Euthanasie. In den Konzentrationslagern organisierten Zahnärzte das Entfernen der Goldzähne aus den Leichen der Opfer.


Wie beschämend, so der Autor, die „Vergangenheitsbewältigung“ der zahnärztlichen Standesführung in der Bundesrepublik nach 1945 verlief, dafür liefert das Buch zahlreiche Beispiele.


So wollte das aus der NS-Zeit übernommene Personal der Standesführung schon 1949 „kein nutzloses Wühlen in der Vergangenheit mehr“ ! 1983 wurde behauptet,  der Nationalsozialismus sei bei den Zahnärzten gar nicht „zuhause gewesen“. Noch 2016 sei in den zahnärztlichen Mitteilungen (zm) unwidersprochen zu lesen gewesen, dass die Täter missbraucht und instrumentalisiert  worden wären. Täter wurden also zu Opfern gemacht, so Dr. Kirchhoff.  Das Eingeständnis von Schuld und Scham, wie es bei den Ärzten schon längst eingeräumt wurde, fehle bei den Zahnärzten bis heute. Dr. Wolfgang Kirchhoff erklärte, dass er hoffe, dass mit seiner Aufarbeitung über Täter und Opfer aus den Reihen der Zahnärzteschaft mehr Klarheit geschaffen wird und sich die Vertretung der Zahnärzteschaft endlich zu einer wirklichen Bewältigung ihrer NS-Geschichte durchringen kann.


Im zweiten Teil der Tagung untermauerte der Gesundheitswissenschaftler Dr. Dr. Jens Holst von der Hochschule Fulda seine These: Eine solidarische Gesundheitsfinanzierung ist möglich – eine gute Versorgung ohne Kommerzialisierung ebenfalls.


Als wichtigste Maxime der deutschen Gesundheitspolitik beweist sich nach Dr. Holst  die Beitragsstabilität, mit dem Ziel, die Lohnnebenkosten nicht zu erhöhen. Als Steuerungsinstrument baut der Gesetzgeber auf Ausgliederung von Leistungen und auf private Zuzahlungen, die er schönfärberisch mit „Eigenverantwortlichkeit“ tituliert. Die Annahme dabei sei, dass die finanzielle Mehrbelastung die Patienten daran hindern würde,  überzogene und unsinnige Leistungen in Anspruch zu nehmen.


Der Referent bezweifelte, ob dieses relevant für die Kostendämpfung sei. Umfrageergebnisse hätten gezeigt, dass GKV-Versicherte in Deutschland der Meinung seien, dass sie selbst das System nicht missbrauchen, aber häufig annahmen, dass andere dies tun würden.  In der wissenschaftlichen Betrachtung gebe es keine empirischen Belege für die Annahme, dass Selbstbeteiligungen unnötige Leistungen verringern würden. Aus grundsätzlichen sozial-politischen Erwägungen müsse die Selbstbeteiligung als kontraproduktiv angesehen werden, denn die soziale Absicherung müsse gerade darauf abzielen, den Zugang zur Gesundheitsversorgung zu verbessern.


Die Zuzahlungen beträfen immer vernünftige und überflüssige Leistungen gleichermaßen. Nicht jeder vermiedene Arztkontakt sei gut: verzögerte Diagnose und Therapie verursachten oft vermeidbare Kosten. Der Referent nannte ein Beispiel aus Italien. Hier wurden die Zuzahlungen für Medikamente erhöht. Dadurch hatten viele Patienten ihre  Medikamente ausgesetzt oder gestreckt. Die Folge war, dass die Krankheitskosten letztlich höher wurden, da zum Beispiel die Notfallbehandlungen anstiegen.


Zuzahlungen seien sozial unverträglich, betonte Dr. Dr. Holst, da sie eine Benachteiligung der Kranken darstelle, denn Gesunde sind von diesen Kosten nicht betroffen. Ob ein Kostendämpfungseffekt überhaupt erreicht werden könne, sei empirisch nicht belegt. Bei den für die Krankenkassen teuersten 20 Prozent der Bevölkerung, nämlich bei denen, die an schweren und komplexen Erkrankungen leiden, könne das System ohnehin nicht angewendet werden. Evident sei, dass die Ärmeren diskriminiert würden, denn für einkommensschwache Haushalte bedeuten Zuzahlungen eine relativ höhere finanzielle Belastung als für die Reicheren.
Die Gesundheitspolitiker, Krankenkassen und Standesvertreter sollten dies wahrnehmen, anstatt den Versicherungsunternehmen das Feld zu überlassen.

  

V.i.S.d.P.:        
Dr. Jochen Bauer, Vorsitzender der VDZM


   

Gemeinsame Pressemitteilung von VDZM und DAZ

  

 Im Fokus – Versorgungsforschung und alternative Werkstoffen 

 
Bonn/Troisdorf, den 2.6.2015. Auf der diesjährigen Frühjahrstagung der zahnärztlichen Berufsverbände Vereinigung Demokratische Zahnmedizin (VDZM) und Deutscher Arbeitskreis für Zahnheilkunde (DAZ) stellte Dr. Felix Blankenstein aus Berlin sehr ausführlich und übersichtlich die Eigenschaften und Einsatzmöglichkeiten von Kunststoffen vor, die alternativ zu den bisher in der zahnärztlichen Versorgung gebräuchlichen Polymethylmethakrylaten (PMMA) verwendet werden können.

Die neuen Materialien haben nicht nur ein sehr viel geringeres Allergiepotential, sie kommen auch in Bezug auf Ästhetik und Tragekomfort den Patientenwünschen entgegen. Es ist daher nicht nachvollziehbar, dass die gesetzlichen Krankenkassen Versorgungen, bei denen diese Materialien verwandt werden, nicht bezuschussen. Gesetzlich versicherte Patienten werden auf diese Weise zu einer reinen Privatleistung ohne Zuschuss genötigt.
 
Aus den vorgestellten Informationen über Fakten und Erfahrungen mit den neuen Materialien leiten die beiden Verbände die Forderung ab, diese alternativen Kunststoffe bezüglich der Bezuschussung durch die gesetzlichen Krankenkassen den gebräuchlichen PMMA-Kunststoffen gleichzustellen.
 
Zu Beginn der Tagung hatte bereits PD Dr. Rainer Jordan, Leiter des Institutes der Deutschen Zahnärzte (IDZ), das Thema Versorgungsforschung in den Fokus gerückt. Er verdeutlichte eindringlich die zentrale Rolle dieses Wissenschaftsfeldes für die Bewertung allen zahnärztlichen Handelns sowohl in Bezug auf den langfristigen Gesundheitsnutzen für den Patienten als auch für Finanzierbarkeit und Ausrichtung von Sozialsystemen. Nach Dr. Jordan soll wegen der großen gesundheits- und sozialpolitischen Bedeutung die Versorgungsforschung zum Schwerpunkt der Arbeit des IDZ werden.
 
Der jüngst erschienene Barmer GEK Zahnreport 2015 diente dem Referenten als Beispiel, wie problematisch die Interpretation selbst großer Datenmengen sein kann. Über die aufgezeigten Schwächen des Reportes konnten den Teilnehmern sehr konkret die eigentlich bestehenden Anforderungen bezogen auf Stichprobe, Darstellung, Schlussfolgerungen und allgemeine Transparenz aufgezeigt werden. Derzeit arbeitet das IDZ an der DMS V Studie, die 2016 veröffentlicht werden soll. In der abschließenden Diskussion lud Dr. Jordan alle Anwesenden ein, ihm ihre diesbezüglichen Anregungen und Fragestellungen zuzusenden.
 
Zwei bemerkenswerte Vorträge mit lebhaften Diskussionen – die Teilnehmer dankten mit viel Applaus für eine gelungene Tagung.

  

V.i.S.d.P.:                  

Dr. Celina Schätze, Vorsitzende des DAZ

Dr. Jochen Bauer, Vorsitzender der VDZM


 

Pressemitteilung – Bonn, den 22.05.2015:
 

Mundgesundheitsförderung gesetzlich etablieren!

 

Bonn, 22. Mai 2015. Die Vereinigung Demokratische Zahnmedizin e. V. (VDZM) begrüßt die Absicht des Gesetzgebers, mit einem Präventionsgesetz die Gesundheitsförderung und Prävention in den „Lebenswelten“ der Bürgerinnen und Bürger zu stärken und dabei mehrere Sozialversicherungsträger einzubeziehen. Im Gesetzentwurf fehlt allerdings die Mundgesundheitsförderung. Die VDZM schlägt vor, diese zu ergänzen. So werden über das Präventionsgesetz die Kranken- und die Pflegeversicherung mittels eines § 20j SGB V „Mundgesundheitsförderung“ sowie eine entsprechende Regelung in § 5 SGB XI eingebunden. Gesetzliches Ziel sollte die Verbesserung des allgemeinen Mundgesundheitszustands in allen Altersgruppen der Bevölkerung sein. Darüber hinaus sollten Zielgruppen angesprochen werden, die aufgrund ihrer körperlichen, seelischen oder sozialen Situation besonders verletzlich und stärker von Zahn- und Mundkrankheiten betroffen sind.

In den verschiedenen Lebenswelten sind viele Akteure und Versicherungszweige aktiv. Von daher sollten nicht allein die gesetzliche Krankenversicherung und die soziale Pflegeversicherung in die Pflicht genommen werden, sondern nachfolgend auch die Behinderten- und die Sozialhilfe und damit die Länder und Kommunen. Dieses trägerübergreifende Vorgehen ist sachgerecht, weil ein die Leistungs-„Sektoren“ übergreifendes Arbeiten Grundprinzip der Gesundheitsförderung ist.

Damit die Kompetenzen und Vorgehensweisen gebündelt werden, schlägt die VDZM die folgende Vorgehensweise vor:

  • Der Gesetzgeber verpflichtet den GKV-Spitzenverband, die Pflegeversicherung und die privaten Versicherungen zur Bildung einer „Institution für Mundgesundheitsförderung“.
  • Die Institution gründet regionale und lokale Arbeitsgemeinschaften für die Mundgesundheitsförderung und übernimmt deren Finanzierung
  •  Auf Bundesebene setzt sich die Institution für eine gesundheitsförderliche Politik in allen relevanten Politikfeldern ein
  • Auf Landes- und örtlicher Ebene wird daran gearbeitet, das Umfeld der Betroffenen so umzugestalten, dass es der Mundgesundheit förderlich ist. Es werden beispielsweise Informations- und Unterstützungsstrukturen für die Akteure vor Ort aufgebaut, etwa für pflegende Angehörige, ambulante Pflegedienste oder Integrationshelfer; Multiplikatoren werden geschult.

Die flächendeckende Arbeit vor Ort werden nichtakademische Berufsgruppen leisten, etwa Zahnärztliche Fachangestellte (ZFA). Ihnen wird mit einem vielfältigen Aufgabengebiet eine attraktive berufliche Perspektive eröffnet. Für die fachliche Beratung sind insbesondere Zahnärzte mit Zusatzqualifikationen, etwa in Gesundheitsförderung oder Public Health gefordert.

Das detaillierte Konzept der VDZM ist unter www.vdzm.de abrufbar. Es verspricht Effizienz, denn durch gesundheitsförderliche Umgestaltung des Lebensumfelds sind große Effekte erzielbar. Die Gesetzesinitiative wird die Mundgesundheit nicht nur von Menschen in herausfordernden Lebenssituationen, sondern auch die der gesamten Bevölkerung nachhaltig verbessern.

 

 


V.i.S.d.P.:                  

Dr. Jochen Bauer, Vorsitzender der VDZM

   

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