Wie ich dazu kam, in Indonesien Vorlesungen über Implantate zu halten!!

 

Seit 2 Jahren bin ich nach Verkauf meiner zahnärztlichen, oralchirurgischen Praxis in Freiburg Teilzeit-Rentner und habe mich deshalb im Juni 2017 bei SES als als Senior Experte registrieren lassen.

Der SES ist eine gemeinnützige Stiftung der deutschen Wirtschaft für internationale Zusammenarbeit mit Sitz in Bonn.

SES / Senior Experten Service
Buschstr. 2
53113 Bonn
www.ses-bonn.de

Diese Organisation sucht Expertinnen im Ruhestand oder in einer beruflichen Auszeit in allen möglichen Fach-Gebieten und eben auch im zahnmedizinischen Bereich zur Entsendung in die 3. und 2. Welt, insbesondere nach Asien.

Dabei entstehen dem Entsendeten keine Kosten. Sie bekommen allerdings auch nur ein Taschengeld (in meinem Fall 10,- USD pro Tag) für die Zeit des Einsatzes.

Mir wurden dann relativ kurz nach meiner Registrierung 3 Projekte an Universitäten in Indonesien angeboten und ich habe mich dann entschieden, für 4 Wochen an eine Universität in Yogyakarta zu gehen. Thema dort war die „Orale Rehabilitation mit Implantaten und partiellen Prothesen“: Das war ja mein Fachgebiet in den letzten 35 Jahren und dafür fühlte ich mich fit genug. So kam es, dass ich dann vom 2. Januar 2018 bis zum 24. Januar in Yogyarkarte auf der Insel Java war und dort versucht habe, meine Erfahrungen weiterzugeben.

Der Einfachheit halber hänge ich gerade meinen Bericht an den SES und ein paar Bilder hinten an. Insgesamt hat mir dieses Engagement Freude gemacht und ich werde mich sicher noch weitere Male engagieren / bzw. engagieren lassen.

  

Bericht über meinen Einsatz ID-GMDTPROS
in Yogyakarta vom 02.01.2018 – 22.01.2018

 

Typ des Projekts:
Improving teaching material in the area of dental prosthetics

Projektbeschreibung und Ziele:
A SES Expert is requested to help to improve the skills of the staff. His assistence is needed in the following fields:

  • Improvement of quality of dental prosthetics

  • Improvement of syllabi and teaching materials in the area of oral rehabilitation, including dental implants, oral maxillofacial rehabilitation, fixed and removable partial dentures

  • The assingment target is to improve both teaching materials and skills of the staff in the field of prosthodontics.

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Blick aus meinem Hotelzimmer auf den Vulkan Merapi

Ich stelle an den Anfang meines Berichts bewusst die Projektbeschreibung und das Ziel des Projektes. Dabei ist es mir schon im Vorfeld der Beauftragung nicht im ausreichenden Maße gelungen darauf hinzuweisen, dass ich die letzten 36 Jahre zwar als Praktiker in eigener Praxis auf diesem Gebiet „oral rehabilitation with dental implants and fixed and removable partial denture“ viel Erfahrung gesammelt habe, ich aber dennoch nicht für ausschließliche „Lehrtätigkeit“ an diese zahnmedizinische Fakultät einer Universität geschickt werden wollte.

Es kam aber so, wie ich es vermutet hatte. Die Verantwortlichen dort erwarteten von mir ausschließlich Vorlesungen/“lectures“ mit von mir in Deutschland dokumentierten Fällen, quasi eine Universitäts-Vorlesungsreihe oder ein zweiwöchiges theoretisches Kursprogramm, das ich zweimal in den interessierten Abteilungen (Prosthodontics und Maxillo-facial Surgery) abhalten sollte.

Das kann und konnte ich nicht leisten. Für praktische Empfehlungen, Hilfestellungen und Hinweise, ja gar OP's vor Studenten oder Fallbesprechungen war nichts vorhanden oder geplant.

Keine OP`s, keine Patienten, kein Material, keine Röntgengeräte, keine Vorbereitungen.

Glücklicherweise hatte ich mich ein bißchen auf die von mir befürchtete Situation vorbereitet. Vor meiner Abreise habe ich mich bei einer Firma (Straumann Deutschland), die Implantate herstellt, mit einer CD und mehreren USB-Sticks mit Fortbildungsvideos und Powerpoint-Präsentationen ausrüsten lassen. Diese Lehrmaterialien werden natürlich nur aus Marketinggründen veröffentlicht und ich habe sie auch mit entsprechender kritischer Distanz eingesetzt.

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Ganz selten sah ich auch Patienten

In langen Gesprächen und Sitzungen, insbesondere mit Dr. Utami, der Vice-Dean for Research der Fakultät und einer Oberassistentin im Department for Prosthodontics Dr. Intan, haben wir beschlossen, diese Lehrmaterialien zu benutzen.

In dieser Situation war es dann hilfreich, dass mein möglicher Nachfolger, der Kollege Dr. Rasch, aus seinem Urlaub auf Bali zu einer Stippvisite nach Yogyakarta kam, um sich mit den Verhältnissen vertraut zu machen. In unserem mehrstündigen Gespräch mit Vice-Dean Dr. Utami und 3 Abteilungsleitern (?) konnten wir dann gemeinsam einige Richtlinien und Ziele für die zukünftige Arbeit definieren.

Außerdem konnten wir beide darauf hinwirken, dass in Zukunft diese Einsätze von indonesischer Seite aus besser in materieller Hinsicht (also Geräte, Instrumente usw.) als auch in organisatorischer Art (wer nimmt teil, werden Patienten behandelt u.ä.) vorbereitet werden. Dann kann sich der Senior-Experte entsprechend vorbereiten und das will ja Dr. Rasch auch tun.

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Vorlesung und Unterricht

Ich habe dann eine 12-tägige Vorlesungsreihe entwickelt und dann 8 „lectures“ an der prothetischen Abteilung und 4 „lectures“ an der parodontologischen Abteilung gehalten. Diese lectures fanden vor post-graduate Studenten (20-35 Studenten jeweils) statt. Das zuständige Lehrpersonal – also Assistenten/lecturers oder Abteilungsleiter - war nur bei der Verabschiedung und dem Abschlussfoto zugegen.

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Postgraduate Studenten und Chefin der Parodontologischen Abteilung

Bei diesen Vorlesungen musste ich zuerst über die biologischen und medizinischen Grundlagen für erfolgreiches Implantieren aufklären.

In dem letzten Jahr haben sich nämlich die Marketingbemühungen von Implantat-Produzenten sowohl aus Europa als auch aus Asien so weit verstärkt, dass an die Leitung der zahnmedizinischen Fakultät Implantate kostenlos verteilt wurden, die mit haltlosen Versprechungen und medizinisch fragwürdigen Methoden eingepflanzt werden sollten. Ich habe demgegenüber versucht, auf die Wichtigkeit eines biologisch korrekten und medizinisch unbedenklichen Verfahrens hinzuweisen – auch wenn ich dabei einige „Blütenträume“ zunichte machen musste.

Ich habe versucht, an die von 9:00 – 12:00 Uhr gehende Vorlesung noch Fallbesprechungen oder praktische Behandlungstipps im Behandlungssaal der Fakultät anzuschließen, was aber nur an fünf Tagen möglich gewesen ist wegen mangelnder Vorbereitung der Fälle durch Studenten und Lehrkräfte.

An zwei Tagen habe ich noch einen 1,5-stündigen Vortrag vor „undergraduate“ Studenten gehalten auf Bitten eine Vertreters der „Gesundheitsbehörde (?)“. Hier sollte ich über die Versorgungssituation in Deutschland und die gesetzliche Krankenversicherung referieren. Ich habe dabei auch über ethische Fragen gesprochen. Insbesondere muss man ja auch gerade bei einem Land wie Indonesien über die Frage sprechen, in wie weit die Versorgung der Bevölkerung mit Dental-Implantaten im Fokus stehen kann oder soll. Ich habe diese Frage nur sehr unterschwellig angesprochen, war aber trotzdem froh, dabei gerade bei dem Vertreter des Gesundheitsministeriums (?), viel Interesse dafür gespürt zu haben.

Mein Einsatz sollte vier Wochen dauern. Ich habe mich dann entschlossen, den Einsatz auf drei Wochen zu verkürzen, weil ich für mehr Vorlesungen einfach nicht vorbereitet war.

Dies wurde von Frau Dr. Utami aber unterstützt, die mich auch sonst in allen Bereichen sehr fürsorglich und zuvorkommend betreut und unterstützt hat.

Unterkunft und Verpflegung sowie Auszahlung des Tagesgeldes waren sehr gut. Ich habe mich immer sehr wohl gefühlt. Ganz besonders kam mir entgegen, dass bei dem sehr schönen Hotel, in dem ich untergebracht war, in fußläufiger Entfernung ein Schwimmbad war, in dem ich meine täglichen Bahnen schwimmen konnte.

  

Dr.Günter Lewark
Gluckstr. 4
79104 Freiburg