Zahnersatz 2005:
Die Behauptung der KZBV "Kaum etwas ändert sich beim Zahnersatz-Zuschuss" ist irreführend.


VDZM kritisiert Regierungspolitik und Festzuschüsse

Bonn, 14.10.04. Auf Ihrer Herbsttagung in Bonn hat die Vereinigung Demokratische Zahnmedizin e.V. (VDZM) die ab 2005 in der gesetzlichen Krankenversicherung geltenden Festzuschüsse für Zahnersatz im Detail untersucht und kritisiert. Die Festzuschüsse ersetzen die bisherige prozentuale Zuschußpraxis, wonach die Krankenkassen mindestens 50 Prozent der Zahnersatzkosten abdeckten.

Die Teilnehmer der VDZM-Veranstaltung wiesen die Behauptung der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV), beim Zahnersatz-Zuschuss in 2005 ändere sich nur in ganz wenigen Fällen etwas, als unzutreffend zurück. Zwar erkennt die VDZM an, daß bei der Berechung des Festzuschuss-Systems das bisherige bundesweite Gesamt-Zuschussvolumen der gesetzlichen Krankenversicherung für Zahnersatz zu Grunde lag und insofern zunächst einmal erhalten bleibt. Allerdings weist der Katalog der 52 neuen Festzuschüsse gleichzeitig eine Fülle von medizinisch kaum nachvollziehbaren Ausschlussregelungen auf. Deshalb sei abzusehen, so die Kritik der VDZM, dass viele Leistungen in die Privatbehandlung abgedrängt würden und der Versicherte in vielen Fällen am Ende eine deutlich erhöhte Rechnung nach der privaten Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) zu erwarten habe.

Im Einzelnen stellte die VDZM fest, dass die Ausschlüsse gerade den "Normalbereich" der Versorgung wie Brücken und Teleskopkronen betreffen, währenddessen der "Luxusbereich", nämlich Zahnersatz auf Implantaten, in Teilen üppig ausgestattet wird. Der Versicherte, der sich ein privat finanziertes Implantat leisten kann, erhält neuerdings für die darauf befestigte Krone einen Krankenkassenzuschuss. Der Zuschuss ist sogar deutlich höher als der zu einer Krone auf einem natürlichen Zahn. Hier vollzieht sich eine Umverteilung von den finanziell schlechter zu den finanziell besser Gestellten. Somit führt man das Argument ad absurdum, das neue System sei "gerechter". Nicht zuletzt mit dieser Begründung hatte die Bundesregierung unter dem Einfluss von Funktionären der Zahnärzteschaft die Festzuschüsse überhaupt erst eingeführt.

Konfrontiert mit den neuen Festzuschuss-Regelungen bemerkte die VDZM, so "einfach" und "unkompliziert" wie die Festzuschüsse immer dahingestellt wurden, seien sie keineswegs anwendbar. Der Wirrwarr von "Regelversorgung", "gleichartiger Versorgung" und "andersartiger Versorgung" bewirke, dass die Intransparenz bei der Entscheidung, wie viel ein Patient zuzahlen muss, erheblich zunimmt.

Geradezu absurd wirkt das ganze, wenn jemand einzelne kleine Zahnlücken mit einer einfachen, billigeren Modellguss-Klammerprothese versorgen lassen möchte. Diese Versorgung wählte bisher mehr als die Hälfte der Versicherten mit vier fehlenden Zähnen. Nach dem neuen Festzuschuss-System werden nun "Brücken-Zuschüsse" ausgelöst und die Prothesen-Versorgung als "andersartig" gewertet. Der Versicherte erhält zwar einen hohen Zuschuss, muss aber gleichzeitig eine Rechnung zu Privatsätzen (!) begleichen. Das wiederum verteuert die Sache; und Krankenkasse und Betroffener geben für eine geringerwertige Versorgung am Ende mehr Geld aus. Verrückter geht es wohl kaum.

Die Einschränkung im neuen Festzuschusskatalog, dass Teleskopkronen als besonders schonendes und langlebiges Verankerungselement von Zahnersatz jetzt nur noch an Eckzähnen oder bei Versicherten mit Restzahnbestand von bis zu drei Zähnen als Regelversorgung gelten, lässt sich aus Sicht der VDZM nur als eine dramatische Leistungsausgrenzung und Zuschussverschlechterung bewerten.

Überdies wird die Zuschusshöhe zukünftig selbst bei den Regelversorgungen nicht mehr exakt 50 Prozent (mit Bonus bis 65 Prozent) betragen, sondern im Einzelfall nach oben wie nach unten abweichen. Dieser Effekt kommt zustande, weil sich der Festzuschuss eben nur auf die "Durchschnittsversorgung" bezieht.

Geändert hat der Gesetzgeber auch die Beitragshöhe für die Zahnersatzversicherung. Weitgehend unbemerkt vollzieht sich hier ein historisches Pilotprojekt, denn erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik entlässt ein Gesetz die Arbeitgeber aus ihrer Beitragspflicht für Teile der Krankenversicherung. Die Versicherten dagegen werden ab Juli 2005 mit verdoppelten Beiträgen für ihre Zahnersatz- und auch Krankengeldleistungen belastet. Die Neuregelung fügt sich nahtlos in die aktuelle Tendenz der Gesundheitsreform ein, Kosten zu Lasten der privaten Haushalte zu verschieben. Auf jeden Fall zahlt der Versicherte also einen höheren Beitrag, und vielfach tritt auch noch eine höhere Selbstbeteiligung an den Kosten des Zahnersatzes hinzu.

Kontakt:
Dr. med. dent. Burghard HAHN, Pressereferent der VDZM
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