Gemeinsame Pressemitteilung von VDZM und DAZ

  

 Sicherung der Praxishygiene zur Kammeraufgabe machen!

     
Bonn/Berlin, 23. Mai 2017. Diese Forderung erhoben die Teilnehmer der Vereinigung Demokratische Zahnmedizin (VDZM) und des Deutschen Arbeitskreises für Zahnheilkunde (DAZ) auf ihrer diesjährigen Frühjahrstagung in Frankfurt. Anlass war der Vortrag von Dr. Andreas Dehler von der Landeszahnärztekammer Hessen über Hygienevorschriften und deren Kontrollen bei Praxisbegehungen.

Zu Beginn schilderte Dr. Dehler in einem kurzen historischen Abriss, wie es zu den heute geltenden Hygienevorschriften gekommen und wer für ihre Einhaltung zuständig ist. Dabei wurde das Ausmaß des Problems deutlich. So liegt die Zuständigkeit für die Praxisbegehungen zwar bei den einzelnen Ländern, aber innerhalb dieser bei den verschiedenen Regierungsbezirken. Und die beauftragen wiederum unterschiedliche Ämter. Unabhängig davon mischen die Berufsgenossenschaft und die Ordnungsämter auch noch mit. Heraus kommt dabei ein völlig unterschiedliches Prüfgebaren, was für erhebliche Unsicherheit bei den Praxisbetreibern sorgt.

Am Beispiel seiner Checkliste für Hygienebegehungen von Zahnarztpraxen in Hessen zeigte Dr. Dehler detailliert auf, wie umfangreich nicht nur Aufklärung, Dokumentation und apparativer Aufwand für die Praxishygiene geworden sind – sondern auch welche räumlichen Voraussetzungen dafür geschaffen werden müssen.

Nicht nur kleinere, sondern auch ältere Praxen, die in ihrer Gründungsphase noch nach damals hochaktuellen Hygienekonzeptionen aufgebaut wurden, stoßen bei den gestiegenen Anforderungen – insbesondere an die Räumlichkeiten zur Instrumentenaufbereitung und -lagerung – an ihre Grenzen. Bislang fehlt ein umsetzbarer Entwurf eines platzsparenden und dennoch hygienesicheren Verfahrenskonzepts mit bundesweiter Anerkennung. Hier machten VDZM und DAZ dringenden Handlungsbedarf seitens der Körperschaften aus.

Dass bei den Aufbereitungsverfahren die Relevanz der Risikoeinstufung (unkritisch, semikritisch A, semikritisch B, kritisch A und kritisch B) für die zahnärztliche Praxis noch mit erheblichen Zweifel behaftet ist, wurde nur am Rand erwähnt. Aber umso bedenklicher stimmte die Teilnehmer der Tagung, dass in den maßgeblichen Expertengremien die einschlägige Industrie massiv vertreten ist. Um dem Verdacht zu entgehen, dass man dadurch den Herstellern die Bühne gibt, um mit überzogenen Anforderungen den Markt für eigene Produkte auszuweiten, muss der Gesetzgeber unabhängigen Stellen die Validierungs- und Überwachungsrechte übertragen. Die entsprechende Weiterbildung ist ohnehin schon Aufgabe der Kammern. VDZM und DAZ fordern den Gesetzgeber auf, diese mit der Überprüfung der Praxishygiene nach bundeseinheitlichen Standards zu beauftragen. Ob die Kammern dann die Praxisbegehungen in Eigenregie durchführen oder damit bei ihr akkreditierte Dienstleistungsunternehmen beauftragen, sollte dabei keine Rolle spielen. Wesentlich ist nur, dass die Zahnärzte in Deutschland wieder einen verlässlichen Planungs- und Handlungsspielraum erhalten, der eine hygienebewusste Behandlung unter alltäglichen Praxisbedingungen zulässt.

  

V.i.S.d.P.:        
Dr. Celina Schätze, Vorsitzende des DAZ
Dr. Jochen Bauer, Vorsitzender der VDZM


 

Pressemitteilung zur VDZM-Herbsttagung

  

Von unbewältigter Vergangenheitsbewältigung und diskriminierender Kostenverlagerung

     
Bonn, 18.10.2016. Eine verantwortungsvolle Aufarbeitung der Zahnmedizin im Nationalsozialismus sowie eine kritische Betrachtung der zunehmenden Kostenbelastung der Patienten durch Zuzahlungen standen im Mittelpunkt der Herbsttagung der VDZM in Kassel.

 

Aktueller Anlass war das gerade erschienene Buch mit dem Titel „…total fertig mit dem Nationalsozialismus“? – „Die unendliche Geschichte der Zahnmedizin im Nationalsozialismus“.    von Dr. Wolfgang Kirchhoff und Frau Prof. Claris-Petra Heidel.


Dr. Kirchhoff, Gründungsmitglied der VDZM, hat sich seit Jahrzehnten intensiv mit dem Thema beschäftigt. Bei der Vorstellung des Buches betonte er, dass erstmals ausführlich auch die Rolle der Oppositionellen und Widerständler aus den Reihen der Zahnmedizin aufgearbeitet werde. Zur Erinnerung: Nach der Machtübernahme Hitlers hatte sich der Reichsverband der Zahnärzte als erste akademische Organisation  freiwillig dem NS-Regime unterstellt. Zuerst wurden  die Kollegen mit unerwünschten politischen Einstellungen - zum Beispiel Sozialdemokraten - in Konzentrationslager gesperrt. Danach wurden die jüdischen Zahnärzte verfolgt, und ihnen wurde schrittweise die Berufserlaubnis entzogen. Diejenigen, die bis 1941 nicht ins Exil flüchten konnten, wurden in Vernichtungslager deportiert und mit wenigen Ausnahmen umgebracht. Versorgungseinrichtungen wie  Zahnambulatorien , die in der Weimarer Republik gut funktioniert hatten, wurden aufgelöst. Versorgungsdefizite waren bald danach die Folge.  Die zahnmedizinische Wissenschaft lieferte Beiträge zur Durchführung von Sterilisationen und Euthanasie. In den Konzentrationslagern organisierten Zahnärzte das Entfernen der Goldzähne aus den Leichen der Opfer.


Wie beschämend, so der Autor, die „Vergangenheitsbewältigung“ der zahnärztlichen Standesführung in der Bundesrepublik nach 1945 verlief, dafür liefert das Buch zahlreiche Beispiele.


So wollte das aus der NS-Zeit übernommene Personal der Standesführung schon 1949 „kein nutzloses Wühlen in der Vergangenheit mehr“ ! 1983 wurde behauptet,  der Nationalsozialismus sei bei den Zahnärzten gar nicht „zuhause gewesen“. Noch 2016 sei in den zahnärztlichen Mitteilungen (zm) unwidersprochen zu lesen gewesen, dass die Täter missbraucht und instrumentalisiert  worden wären. Täter wurden also zu Opfern gemacht, so Dr. Kirchhoff.  Das Eingeständnis von Schuld und Scham, wie es bei den Ärzten schon längst eingeräumt wurde, fehle bei den Zahnärzten bis heute. Dr. Wolfgang Kirchhoff erklärte, dass er hoffe, dass mit seiner Aufarbeitung über Täter und Opfer aus den Reihen der Zahnärzteschaft mehr Klarheit geschaffen wird und sich die Vertretung der Zahnärzteschaft endlich zu einer wirklichen Bewältigung ihrer NS-Geschichte durchringen kann.


Im zweiten Teil der Tagung untermauerte der Gesundheitswissenschaftler Dr. Dr. Jens Holst von der Hochschule Fulda seine These: Eine solidarische Gesundheitsfinanzierung ist möglich – eine gute Versorgung ohne Kommerzialisierung ebenfalls.


Als wichtigste Maxime der deutschen Gesundheitspolitik beweist sich nach Dr. Holst  die Beitragsstabilität, mit dem Ziel, die Lohnnebenkosten nicht zu erhöhen. Als Steuerungsinstrument baut der Gesetzgeber auf Ausgliederung von Leistungen und auf private Zuzahlungen, die er schönfärberisch mit „Eigenverantwortlichkeit“ tituliert. Die Annahme dabei sei, dass die finanzielle Mehrbelastung die Patienten daran hindern würde,  überzogene und unsinnige Leistungen in Anspruch zu nehmen.


Der Referent bezweifelte, ob dieses relevant für die Kostendämpfung sei. Umfrageergebnisse hätten gezeigt, dass GKV-Versicherte in Deutschland der Meinung seien, dass sie selbst das System nicht missbrauchen, aber häufig annahmen, dass andere dies tun würden.  In der wissenschaftlichen Betrachtung gebe es keine empirischen Belege für die Annahme, dass Selbstbeteiligungen unnötige Leistungen verringern würden. Aus grundsätzlichen sozial-politischen Erwägungen müsse die Selbstbeteiligung als kontraproduktiv angesehen werden, denn die soziale Absicherung müsse gerade darauf abzielen, den Zugang zur Gesundheitsversorgung zu verbessern.


Die Zuzahlungen beträfen immer vernünftige und überflüssige Leistungen gleichermaßen. Nicht jeder vermiedene Arztkontakt sei gut: verzögerte Diagnose und Therapie verursachten oft vermeidbare Kosten. Der Referent nannte ein Beispiel aus Italien. Hier wurden die Zuzahlungen für Medikamente erhöht. Dadurch hatten viele Patienten ihre  Medikamente ausgesetzt oder gestreckt. Die Folge war, dass die Krankheitskosten letztlich höher wurden, da zum Beispiel die Notfallbehandlungen anstiegen.


Zuzahlungen seien sozial unverträglich, betonte Dr. Dr. Holst, da sie eine Benachteiligung der Kranken darstelle, denn Gesunde sind von diesen Kosten nicht betroffen. Ob ein Kostendämpfungseffekt überhaupt erreicht werden könne, sei empirisch nicht belegt. Bei den für die Krankenkassen teuersten 20 Prozent der Bevölkerung, nämlich bei denen, die an schweren und komplexen Erkrankungen leiden, könne das System ohnehin nicht angewendet werden. Evident sei, dass die Ärmeren diskriminiert würden, denn für einkommensschwache Haushalte bedeuten Zuzahlungen eine relativ höhere finanzielle Belastung als für die Reicheren.
Die Gesundheitspolitiker, Krankenkassen und Standesvertreter sollten dies wahrnehmen, anstatt den Versicherungsunternehmen das Feld zu überlassen.

  

V.i.S.d.P.:        
Dr. Jochen Bauer, Vorsitzender der VDZM


   

Gemeinsame Pressemitteilung von VDZM und DAZ

  

 Im Fokus – Versorgungsforschung und alternative Werkstoffen 

 
Bonn/Troisdorf, den 2.6.2015. Auf der diesjährigen Frühjahrstagung der zahnärztlichen Berufsverbände Vereinigung Demokratische Zahnmedizin (VDZM) und Deutscher Arbeitskreis für Zahnheilkunde (DAZ) stellte Dr. Felix Blankenstein aus Berlin sehr ausführlich und übersichtlich die Eigenschaften und Einsatzmöglichkeiten von Kunststoffen vor, die alternativ zu den bisher in der zahnärztlichen Versorgung gebräuchlichen Polymethylmethakrylaten (PMMA) verwendet werden können.

Die neuen Materialien haben nicht nur ein sehr viel geringeres Allergiepotential, sie kommen auch in Bezug auf Ästhetik und Tragekomfort den Patientenwünschen entgegen. Es ist daher nicht nachvollziehbar, dass die gesetzlichen Krankenkassen Versorgungen, bei denen diese Materialien verwandt werden, nicht bezuschussen. Gesetzlich versicherte Patienten werden auf diese Weise zu einer reinen Privatleistung ohne Zuschuss genötigt.
 
Aus den vorgestellten Informationen über Fakten und Erfahrungen mit den neuen Materialien leiten die beiden Verbände die Forderung ab, diese alternativen Kunststoffe bezüglich der Bezuschussung durch die gesetzlichen Krankenkassen den gebräuchlichen PMMA-Kunststoffen gleichzustellen.
 
Zu Beginn der Tagung hatte bereits PD Dr. Rainer Jordan, Leiter des Institutes der Deutschen Zahnärzte (IDZ), das Thema Versorgungsforschung in den Fokus gerückt. Er verdeutlichte eindringlich die zentrale Rolle dieses Wissenschaftsfeldes für die Bewertung allen zahnärztlichen Handelns sowohl in Bezug auf den langfristigen Gesundheitsnutzen für den Patienten als auch für Finanzierbarkeit und Ausrichtung von Sozialsystemen. Nach Dr. Jordan soll wegen der großen gesundheits- und sozialpolitischen Bedeutung die Versorgungsforschung zum Schwerpunkt der Arbeit des IDZ werden.
 
Der jüngst erschienene Barmer GEK Zahnreport 2015 diente dem Referenten als Beispiel, wie problematisch die Interpretation selbst großer Datenmengen sein kann. Über die aufgezeigten Schwächen des Reportes konnten den Teilnehmern sehr konkret die eigentlich bestehenden Anforderungen bezogen auf Stichprobe, Darstellung, Schlussfolgerungen und allgemeine Transparenz aufgezeigt werden. Derzeit arbeitet das IDZ an der DMS V Studie, die 2016 veröffentlicht werden soll. In der abschließenden Diskussion lud Dr. Jordan alle Anwesenden ein, ihm ihre diesbezüglichen Anregungen und Fragestellungen zuzusenden.
 
Zwei bemerkenswerte Vorträge mit lebhaften Diskussionen – die Teilnehmer dankten mit viel Applaus für eine gelungene Tagung.

  

V.i.S.d.P.:                  

Dr. Celina Schätze, Vorsitzende des DAZ

Dr. Jochen Bauer, Vorsitzender der VDZM


   

Pressemitteilung – Bonn, den 22.05.2015:
 

Mundgesundheitsförderung gesetzlich etablieren!

 

Bonn, 22. Mai 2015. Die Vereinigung Demokratische Zahnmedizin e. V. (VDZM) begrüßt die Absicht des Gesetzgebers, mit einem Präventionsgesetz die Gesundheitsförderung und Prävention in den „Lebenswelten“ der Bürgerinnen und Bürger zu stärken und dabei mehrere Sozialversicherungsträger einzubeziehen. Im Gesetzentwurf fehlt allerdings die Mundgesundheitsförderung. Die VDZM schlägt vor, diese zu ergänzen. So werden über das Präventionsgesetz die Kranken- und die Pflegeversicherung mittels eines § 20j SGB V „Mundgesundheitsförderung“ sowie eine entsprechende Regelung in § 5 SGB XI eingebunden. Gesetzliches Ziel sollte die Verbesserung des allgemeinen Mundgesundheitszustands in allen Altersgruppen der Bevölkerung sein. Darüber hinaus sollten Zielgruppen angesprochen werden, die aufgrund ihrer körperlichen, seelischen oder sozialen Situation besonders verletzlich und stärker von Zahn- und Mundkrankheiten betroffen sind.

In den verschiedenen Lebenswelten sind viele Akteure und Versicherungszweige aktiv. Von daher sollten nicht allein die gesetzliche Krankenversicherung und die soziale Pflegeversicherung in die Pflicht genommen werden, sondern nachfolgend auch die Behinderten- und die Sozialhilfe und damit die Länder und Kommunen. Dieses trägerübergreifende Vorgehen ist sachgerecht, weil ein die Leistungs-„Sektoren“ übergreifendes Arbeiten Grundprinzip der Gesundheitsförderung ist.

Damit die Kompetenzen und Vorgehensweisen gebündelt werden, schlägt die VDZM die folgende Vorgehensweise vor:

  • Der Gesetzgeber verpflichtet den GKV-Spitzenverband, die Pflegeversicherung und die privaten Versicherungen zur Bildung einer „Institution für Mundgesundheitsförderung“.
  • Die Institution gründet regionale und lokale Arbeitsgemeinschaften für die Mundgesundheitsförderung und übernimmt deren Finanzierung
  •  Auf Bundesebene setzt sich die Institution für eine gesundheitsförderliche Politik in allen relevanten Politikfeldern ein
  • Auf Landes- und örtlicher Ebene wird daran gearbeitet, das Umfeld der Betroffenen so umzugestalten, dass es der Mundgesundheit förderlich ist. Es werden beispielsweise Informations- und Unterstützungsstrukturen für die Akteure vor Ort aufgebaut, etwa für pflegende Angehörige, ambulante Pflegedienste oder Integrationshelfer; Multiplikatoren werden geschult.

Die flächendeckende Arbeit vor Ort werden nichtakademische Berufsgruppen leisten, etwa Zahnärztliche Fachangestellte (ZFA). Ihnen wird mit einem vielfältigen Aufgabengebiet eine attraktive berufliche Perspektive eröffnet. Für die fachliche Beratung sind insbesondere Zahnärzte mit Zusatzqualifikationen, etwa in Gesundheitsförderung oder Public Health gefordert.

Das detaillierte Konzept der VDZM ist unter www.vdzm.de abrufbar. Es verspricht Effizienz, denn durch gesundheitsförderliche Umgestaltung des Lebensumfelds sind große Effekte erzielbar. Die Gesetzesinitiative wird die Mundgesundheit nicht nur von Menschen in herausfordernden Lebenssituationen, sondern auch die der gesamten Bevölkerung nachhaltig verbessern.

 

 


V.i.S.d.P.:                  

Dr. Jochen Bauer, Vorsitzender der VDZM

   

Pressemitteilung – Bonn, den 26.03.2015:
 

GKV-Versorgungsstärkungsgesetz fördert Mundgesundheit von Pflegebedürftigen und Menschen mit Behinderungen unzureichend

 

Anlässlich der gestrigen Anhörung im Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestages bekräftigt der zahnärztliche Berufsverband Vereinigung Demokratische Zahnmedizin (VDZM) seine Kritik an der geplanten Neufassung des § 22a SGB V. So wenden sich die im Entwurf zum GKV-Versorgungsstärkungsgesetz (GKV-VSG) vorgesehenen Leistungsbeschreibungen primär an Zahnärzte. Ausschlaggebend für die Mundgesundheit von Pflegebedürftigen und Menschen mit Behinderungen ist aber der tägliche Einsatz der Pflegenden und des Personal der Behindertenhilfe. Sie brauchen Informations- und Unterstützungsstrukturen vor Ort. Daher spricht sich die VDZM dafür aus, hierfür sowohl eine rahmensetzende und finanzierende Institution für Mundgesundheitsförderung auf Bundesebene als auch Landesarbeitsgemeinschaften und kommunale Arbeitskreise einzurichten. Die VDZM schlägt deshalb im Hinblick auf das ebenfalls geplante Präventionsgesetz vor, einen neuen Absatz „Mundgesundheitsförderung“ in § 20 SGB V einzufügen.

Das Erheben eines Mundgesundheitsstatus sowie das Erstellen von individuellen Plänen zur Mund- und Prothesenpflege sind begrüßenswerte Neuerungen, im Gesetzentwurf fehlt aber der Hinweis auf die nötigen Verlaufskontrollen. Die geplante häufigere Zahnsteinentfernung ist nicht ausreichend, hilfreicher wäre es für die Betroffenen, eine Reinigung der Zahnfleischtaschen vorzusehen, und zwar ohne Antrag an die Krankenkasse.

Die VDZM begrüßt die Absicht der Bundesregierung, etwas für die Mundgesundheit von Pflegebedürftigen und Menschen mit körperlicher oder geistiger Behinderung zu tun. Aber zahnärztliche Individualprophylaxe wird nicht ausreichend sein, um die Mundgesundheit der Betroffenen flächendeckend und nachhaltig zu verbessern.

Die detaillierten Stellungnahmen zu den beiden aktuellen Gesetzesvorhaben finden sich auf www.vdzm.de.

 


V.i.S.d.P.:                  

Dr. Jochen Bauer, Vorsitzender der VDZM

   

Pressemitteilung – Bonn/Troisdorf, den 19.05.2014:

 
 Große Koalition – große Reformen?

 

„Nein", so jedenfalls das Fazit von Dr. Rolf- Urich Schlenker, stellvertretender Vorsitzender der BARMER GEK, auf der gemeinsamen Frühjahrstagung der Vereinigung Demokratische Zahnmedizin (VDZM) und des Deutschen Arbeitskreises für Zahnheilkunde (DAZ). Zukünftige Entwicklungen im Bereich der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) im Allgemeinen und der Zahnheilkunde im Besonderen standen zur Diskussion. Dass die Politik so wenig Reformbedarf sehen würde, liege nicht zuletzt an den Krankenkassen - so der Vorwurf der Teilnehmer/innen. Die Krankenkassen hätten in der Vergangenheit zugelassen, dass immer mehr Bereiche der Zahnheilkunde außerhalb der GKV abgerechnet würden. Anliegen einer zukünftigen Gesundheits- und Kassenpolitik müsse sein, dass die GKV (wieder) entschiedener die Interessen ihrer Versicherten vertritt.

Dr. Rolf-Ulrich Schlenker hatte sein Referat unter das Motto gestellt „Große Koalition – große Reformen?". Die Auswertung des Koalitionsvertrages lasse nur geringe Absicht zu notwendigen Reformen erkennen. Wichtige Themen haben die Koalitionsparteien ausgeklammert, z.B. das strittige Thema „Bürgerversicherung" oder die Neuordnung des Bereiches Private und Gesetzliche Krankenversicherung. Lediglich im Bereich der Pflege erwartet Schlenker umfangreichere Neuerungen. Sehr bedenklich findet er die geplante Festschreibung des paritätisch finanzierten Beitragssatzes auf 14,6%. Er geht davon aus, dass viele Kassen – wenn die Rücklagen aufgebraucht sind und die Wirtschaftslage sich weniger günstig entwickelt – damit nicht auskommen werden. Aufgrund der wieder eingeführten Beitragssatzautonomie müssten dann die Kassen ihrem Finanzbedarf entsprechend den Beitrag wieder anheben, diese Erhöhung ginge aber allein zu Lasten der Versicherten.

Für viele Mitglieder der gesetzlichen Krankenkassen werden im zahnmedizinischen Bereich die Probleme immer deutlicher. Bei allen Versorgungsformen, seien es die Kunststofffüllung, die Wurzelkanalbehandlung, die kieferorthopädische Behandlung oder Zahnersatz, überall sind die privaten Zuzahlungen weiter ausgeufert. Damit werden Teile der Bevölkerung von einer sachgerechten Versorgung ausgegrenzt. Hier muss sich die Krankenkasse wieder stärker in der Pflicht sehen, durch fachgerechte Beratung und auch im Streitfall mit juristischer Kompetenz ihre Versicherten zu unterstützen. Eine „weiße Liste" (Patientenbefragung im Internet) reicht da nicht, und Zahnersatz aus China ist auch nicht der richtige Weg. Begrüßenswert ist immerhin, dass sich die BARMER GEK verstärkt um die Versorgungsforschung kümmern will. Aber Ziel muss bleiben, wieder einen verlässlichen Leistungskatalog zu etablieren, der allen Versicherten den Zugang zu einer fachlich fundierten Regelversorgung und zu grundlegenden Prophylaxeleistungen ohne Zuzahlung garantiert.


V.i.S.d.P.:                  

Dr. Celina Schätze, Vorsitzende des DAZ

Dr. Jochen Bauer, Vorsitzender der VDZM


   

Pressemitteilung:

 

Selbst viermal jährlich reicht nicht

 

Defizite in der Mundgesundheit bei Pflegebedürftigen, pflegebedürftigen Behinderten und Demenzerkrankten

 

Bonn, 22. Oktober 2013. Pflegebedürftige Menschen sind oft unzureichend zahnmedizinisch versorgt und haben häufig ein vernachlässigtes Gebiss. Nach Ansicht der Vereinigung Demokratische Zahnmedizin e. V. (VDZM) reicht es nicht aus, dass eine Zahnarzthelferin beispielsweise viermal jährlich den Pflegebedürftigen aufsucht und eine Zahnreinigung durchführt. Solche Vorstellungen der Zahnärzteschaft griffen zu kurz. Vielmehr gehe es darum, jeden Tag für eine gute Zahn-, Mund- und Prothesenpflege zu sorgen, auf eine zuckerarme Ernährung zu achten und Fluorid anzuwenden. Die pflegenden Personen seien hierfür zwar verantwortlich, aber auf Grund mangelnder Kenntnisse  dazu nicht  ausreichend in der Lage. Deshalb ist es dringend erforderlich, durch mehr Information und eine spezielle Aus- und Weiterbildung der pflegenden und betreuenden Personen  die Mundgesundheit bei Pflegebedürftigen, pflegebedürftigen Behinderten und Demenzerkrankten zu verbessern. Ehrgeiziges Ziel könnte die Sicherstellung einer Mundgesundheit sein, die der einer vergleichbaren Altersgruppe der Normalbevölkerung entspricht oder sogar noch besser ist.

Zentraler Punkt der Verbesserungsvorschläge der VDZM ist die Stärkung der Mundgesundheitskompetenz der Pflegenden.

Konkret fordert die VDZM das Bundesgesundheits- und das Familienministerium auf, die Zahnpflege in der Altenpflege-Ausbildung verpflichtend zu verankern. Ebenfalls ist eine gezielte Weiterbildung in den pflegenden und betreuenden Berufsgruppen zu installieren.  Denn diesen hinsichtlich Mundgesundheit speziell ausgebildeten Pflegefachkräften  erwächst insbesondere im ambulanten Bereich eine wichtige Aufgabe: Sie sollen durch ihre Hilfestellung und praktischen pflegefachlichen Anleitungen die häuslich Pflegenden unterstützen, deren Kompetenz erweitern und so die Qualität der Mundgesundheit verbessern.

Auch eine  Untersuchung mindestens einmal im Jahr durch den Zahnarzt muss verpflichtender Standard sein. Außerdem sollte bei der Reform der zahnärztlichen Approbationsordnung ein Pflegepraktikum berücksichtigt werden. Den angehenden Zahnmedizinern würden auf diese Weise Kenntnisse über das Pflegesystem und altersgerechte Versorgungsformen vermittelt.

Die VDZM diskutierte diese Vorschläge auf ihrer Herbsttagung in Marburg. Zu deren Auftakt hatte Prof. Dr. Dr. Hans-Jörg Staehle, Universität Heidelberg, eine noch wenig bekannte Gefährdung des Patienten, den „Noceboeffekt "erläutert. Dieser bildet das Pendant zum Placeboeffekt. Nocebos, also schädigende Wirkungen entstehen, so Staehle, wo zahnärztliche Kommunikation bewusst zur Manipulation eingesetzt wird, sei es aus ideologischen oder kommerziellen Interessen. Durch einseitige Schilderung von angeblich negativen Auswirkungen preiswerter Therapien wie Füllungen „verkaufen“ manche Zahnärzte teure Alternativen wie Keramikinlays. Genauso problematisch sind nach Staehle therapeutische Interventionen zu bewerten, die aus ideologischen Gründen erfolgen. Beispiele hierfür sind Entfernungen von gesunden Zähnen, weil sie angeblich Fernwirkungen auf ein anderes erkranktes Organ ausübten, oder massive Knochenausfräsungen nach Wurzelerkrankungen. Eine ausführlichere Dokumentation von Prof. Staehles „Nocebo-Kaskaden“ und der „Nocebo-Placebo-Zahnmedizin“ findet sich auf der VDZM-Homepage unter www.vdzm.de.

Staehle rät jungen Zahnmedizinabsolventen zu einer höheren Qualifizierung, um dem Glauben an Heilsversprechen vorzubeugen. Er sprach sich für eine strukturierte Weiterbildungsphase aus, die in zertifizierten Zahnarztpraxen stattfinden sollte.

Natürlich wurde auch darüber kontrovers diskutiert, wie es sich für eine Jubiläumsveranstaltung der VDZM gehört. Hier in Marburg vor 35 Jahren gegründet hat sie sich in all den Jahren dafür eingesetzt, die Sicherung und Verbesserung der Mundgesundheit als sozialer Verantwortung gegenüber den Patienten zu verstehen. Gründungsmitglieder berichteten über Anfangshoffnungen, politische Erfolge, aber auch von Rückschlägen. Der abendliche Kulturbeitrag des „Playback-Theaters Köln“ dramatisierte diese Erfahrungen der vergangenen 35 Jahre auf expressive und humorvolle Weise.

V.i.S.d.P.:                  

Dr. Jochen Bauer, Vorsitzender der VDZM


   

Pressemitteilung:

 

Mundgesundheit von Pflegebedürftigen –

wie kann die Kompetenz von Pflegekräften und Angehörigen gestärkt werden?

 

Podiumsdiskussion bringt Pflege und Zahnmedizin an einen Tisch und zeigt vielversprechende Ansätze auf.

 

Bonn/Troisdorf, 23.04.2013. Um die Mundgesundheit von Pflegebedürftigen steht es nicht zum Besten. Die zahnärztlichen Verbände Vereinigung Demokratische Zahnmedizin (VDZM) und Deutscher Arbeitskreis für Zahnheilkunde (DAZ) führten daher Praktiker aus der Pflege sowie Vertreter von Pflegeverbänden, Kostenträgern und Zahnärzten in Frankfurt am Main zu einem Podiumsgespräch zusammen. Es galt, Wissensdefizite auszugleichen und gemeinsam zu beraten, wie die Mundgesundheit von Pflegebedürftigen gefördert werden kann.

 

Ein derart breit angelegtes Zusammenkommen sei bisher kaum da gewesen, stellte Thomas Bodmer, Mitglied des DAK-Vorstands, Hamburg, gleich zu Beginn fest. Als Vertreter einer Pflegekasse und damit als Kostenträger betonte er, die Probleme in der Pflege seien nur gemeinsam zu lösen. Die Ausbildungsinhalte in der Altenpflege müssten präzisiert werden. Zahnärztliche Leitlinien für die Prävention und Behandlung wären hilfreich. Außerdem solle der Medizinische Dienst der Krankenversicherung verstärkt prüfen, ob die Mundpflege in der ambulanten und stationären Pflege in Ordnung sei.

 

Mechthild Plümpe, Pflegedienstleitung Häusliche Kranken- und Seniorenpflege, Wiesbaden, konnte berichten, dass viele Pflegebedürftige durchaus in der Lage sind, aktiv ihre Mundhygiene wahrzunehmen. Dennoch benötigt die Mehrzahl Unterstützung bis hin zur vollständigen Übernahme der Zahn- und Prothesenpflege durch die Pflegenden. Dann sei besondere Aufmerksamkeit gefragt. Zahnärztliche Hinweise für den individuellen Pflegeplan stellt sie sich als sehr nützlich vor. Fortbildungen und Schulungen der Pflegekräfte träfen sowohl im ambulanten als auch im stationären Pflegebereich auf hohes Interesse.

Frau Plümpe plädierte dafür, die Betreuung von Demenzkranken grundsätzlich getrennt zu betrachten. Die Problemlage sei anspruchsvoller, weil Einsicht und Mitwirkung nicht ohne Weiteres erzielbar sind. Hier könne eine speziell erworbene Pflegekompetenz für beide – Pflegekraft und Demenzerkrankten – eine spürbare Erleichterung im Umgang miteinander darstellen.

 

Prof. Dr. med. dent. Christoph Benz, Präsident der Bayerischen Landeszahnärztekammer, München, äußerte sich erfreut, dass das Thema auch dank des Engagements der Zahnärzteschaft für die Alters- und Behindertenzahnheilkunde aktuell „im Trend“ liege und sich „die Prophylaxe jetzt in Richtung Alter bewegt.“ Die Zahnärzte und ihre Verbände bringen sich schon vielerorts ein und stehen gerne bereit, dies noch weiter auszubauen. Für Benz zeigen Studien wie die von Dr. med. dent. Susanne Jäger, dass sich wiederholte Fortbildungen und Schulungen der Pflegekräfte in der Zahn-und Gebisspflege als effektiv erwiesen haben. So nahm der Belag auf den Zähnen deutlich ab, das Zahnfleischbluten reduzierte sich ebenso wie der Zungenbelag, und der Anteil sauberer Prothesen nahm deutlich zu. Zahnärztliche Behandlungsempfehlungen waren nach vier Monaten bereits zu etwa zwei Dritteln umgesetzt. Bei Pflegebedürftigen mit eingeschränkter Handmotorik verbesserte sich der Mundhygienezustand am meisten.

 

Dr. med. dent. Uwe Niekusch, Gesundheitsamt Rhein-Neckar-Kreis und wissenschaftlicher Referent des Bundesverbandes der Zahnärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, sieht das Potential in einer Vernetzung der pflegerischen und zahnmedizinischen Kompetenzen und im gemeinsamen Austausch von Erfahrungen und Erkenntnissen. Weil es sich um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe handelt, könnten die Gesundheitsämter Koordinierungsaufgaben wahrnehmen. Niekusch forderte eine zahnärztliche Eingangsuntersuchung beim Eintritt in die Pflegebedürftigkeit und erhielt dafür die breite Zustimmung der Podiumsteilnehmer sowie des Auditoriums.

In den Pflegeheimen sind nach Untersuchungen von Prof. Ina Nitschke und dem Institut der Deutschen Zahnärzte 54 Prozent der Bewohner zahnlos; die Bezahnten verfügen durchschnittlich über zehn Zähne. Durchschnittlich sei fast immer ein Zahn kariös. Eine zahnärztliche Behandlungsbedürftigkeit werde daher häufig festgestellt. Es gebe also Verbesserungsbedarf.

 

Klaus Dieter Schulz, Kassel, hessisches Vorstandsmitglied und Qualitätsmanager beim Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa), welcher 7.500 Mitgliedseinrichtungen vertritt, erläuterte, dass im Rahmen der Sozialen Pflegeversicherung die Zahnpflege zur Grundpflege gehört. Die Mundpflege als Leistung eines ambulanten Pflegedienstes oder eines Pflegeheims ist in Hessen von den Angehörigen nicht „abwählbar“. Das heißt, Mundpflege ist dann von den Pflegekräften zu erbringen.

Einige Diskussionsteilnehmer sahen die Personalsituation im Pflegebereich kritisch. So verfügen laut Statistischem Bundesamt nur rund 60 Prozent der eingesetzten Pflegepersonen in der stationären und ambulanten Pflege über einen staatlichen Ausbildungsabschluss für die Pflege. Damit müssen 40 Prozent als angelernt gelten, vom großen Bereich der rein familiären Pflege gar nicht zu reden. Hier steckt noch ein erhebliches Entwicklungspotential im Hinblick auf die Fortbildung der Pflegenden in Sachen Zahn- und Mundpflege und dem Erkennen von Anzeichen für zahnärztlichen Handlungsbedarf.

 

Dr. med. dent Jochen Bauer, Bonn, Vorsitzender der VDZM, und Dr. med. dent. Harald Strippel, M.Sc., moderierten die Veranstaltung und unterlegten die Diskussion mit zusätzliche Daten und Fakten. Etwa, dass 70 Prozent der Pflegebedürftigen zu Hause gepflegt werden. Dabei müssen die Angehörigen in mehr als zwei Drittel der Fälle ohne Unterstützung durch einen ambulanten Pflegedienst allein die Pflege leisten. Die Moderatoren stellten ein breitenwirksames Modellprojekt aus Bielefeld zur Schulung von Angehörigen in der familiären Pflege vor. Allein in einem Jahr erhielten über 7.000 Angehörigen von Personen, bei denen nach einem Krankenhausaufenthalt Pflegebedürftigkeit eintrat, Beratungs- und Trainingsangebote. Hier geht es um Kompetenzförderung und Begleitung, Wissensvermittlung, Netzwerkbildung, Förderung von Ressourcen, Bekanntmachen mit geeigneten Pflegehilfsmitteln und dergleichen. Die weitaus meisten Angehörigen fühlten sich danach auf die Pflegesituation gut vorbereitet. Warum soll dort nicht auch die Mundgesundheit verstärkt eingebracht werden?

 

Momentan ist zwischen Vertragszahnärzten und Krankenkassen auf Bundesebene eine kooperative und koordinierte zahnärztliche und pflegerische Versorgung von pflegebedürftigen Versicherten in Arbeit. Dies bezieht sich aber nur auf die stationären Pflegeeinrichtungen, in denen sich 30 Prozent der Pflegebedürftigen befinden. Mit dem Anliegen, auch für die mit 70 Prozent größere Gruppe im ambulanten Bereich und der Familie die dringend notwendigen Verbesserungen zu erzielen, stimmten am Ende einer sehr informativen und fruchtbaren Diskussion alle Teilnehmer überein. Nach deren Überzeugung werden weitere Begegnungen in der Zusammenarbeit folgen. Dr. Bauer kündigte an, die VDZM werde die Veranstaltung auswerten und in der Folge Vorschläge zum Ausbau der angesprochenen Themen entwickeln.

 

Weitere Hintergrundinformationen zum Thema

 

V.i.S.d.P.:                  

Dr. Celina Schätze, Vorsitzende des DAZ

Dr. Jochen Bauer, Vorsitzender der VDZM


   
Pressemitteilung:

Blinder Fleck in der Zahnmedizin


VDZM und DAZ diskutierten das Problem der Korruption im Gesundheitswesen

Bonn/Troisdorf, den 21.5.2012 - „Interessenkonflikte, Korruption und Betrug - Symptome eines kranken Gesundheitswesens?“ – dies war das Thema des Referates von Dr. med. Wolfgang Wodarg, Leiter der Arbeitsgruppe „Gesundheit“ bei Transparency International Deutschland, das bei der gemeinsamen Frühjahrstagung der zahnärztlichen Verbände Vereinigung Demokratische Zahnmedizin (VDZM) und Deutscher Arbeitskreis für Zahnheilkunde (DAZ) für lebhafte Diskussionen sorgte.

Auch wenn in der allgemeinen Öffentlichkeit und ebenso bei den allermeisten Zahnärztinnen sowie Zahnärzten in Deutschland die Zahnmedizin nicht gerade als ein Hort der Korruption wahrgenommen wird, stimmen die Ausführungen von Dr. Wodarg nachdenklich. Sein fundierter Vortrag in Frankfurt machte deutlich, wie grundsätzlich unterschiedlich die Interessen der Akteure aus „Gesundheitssicherung“ und „Gesundheitswirtschaft“ sind.

Während die medizinische Versorgung sich bemüht, möglichst Krankheiten zu verhindern und, wenn doch auftretend, diese im Rahmen einer vorwiegend solidarisch finanzierten Gesundheitspflege möglichst effizient zu therapieren, sind die Zielvorgaben der Industrie rein wirtschaftlich geprägt. Für sie gilt es, eine noch höhere Rendite mit dem kleinen Teil der Bevölkerung (ca. 20%) zu erwirtschaften, der mehrere chronische Krankheiten auf sich vereinigt und den Hauptteil des Umsatzes bringt (ca. 80%). Die Stellschrauben hierfür sind unter anderem neue Zieldefinitionen und neue Normen, die global, national oder fachbezogen gesetzt werden. Drastisches Beispiel hierfür ist z. B. die Senkung des Normwertes für Cholesterin von 240 auf 200 Milligramm pro Deziliter Blut, der der Pharmawirtschaft eine satte Absatzsteigerung von 86 Prozent in den USA bescherte.

Während „Betrug“ strafrechtlich eindeutig ist und „Interessenkonflikte“ jedem Zahnarzt in seiner Doppelfunktion als Therapeut und Praxisbetreiber vertraut sind, scheint das Feld der „Korruption“ ein blinder Fleck zu sein. Dabei muss man sich gar nicht groß bemühen, um Verdachtsmomente auszumachen. Wie unabhängig sind Universitäten, an denen mittlerweile fast ausschließlich Drittmittelforschung betrieben wird? Wie neutral informieren Fortbildungsveranstaltungen, die von Firmen gesponsert werden, und welche massiven wirtschaftlichen Interessen stehen hinter den Änderungen in Normen sowie Richtlinien, die auf Meinungen von Peergroups oder Gremien statt auf Evidenz gründen?

Erste Forderungen an Wissenschaft und Politik wären die Offenlegung von Abhängigkeiten der Autoren wissenschaftlicher Arbeiten, die Offenlegung der Verträge für die Drittmittel und ein Paradigmenwechsel durch geänderte Steuerungsinstrumente in den gesetzlichen Vorgaben, so dass die Aufgabenstellung, Gesundheit zu erhalten oder wiederherzustellen, stets Vorrang vor den Wirtschaftsinteressen von Her­stellern und Anbietern behält.

Hier Transparenz und kritische Distanz zu schaffen, ist dringend geboten, statt, wie jüngst geschehen, sich vor den Karren der Industrie spannen zu lassen und als KZBV, immerhin eine Körperschaft des öffentlichen Rechts, die „Wachstums- und Beschäftigungseffekte der Mundgesundheitswirtschaft" zu preisen.


V.i.S.d.P.:      
Dr. Celina Schätze, Vorsitzende des DAZ
Dr. Jochen Bauer, Vorsitzender der VDZM




   
Pressemitteilung:

Es muss nicht immer High End sein:
Weniger Bohren und schneller Füllen?


VDZM-DAZ-Tagung beschäftigte sich mit neuen Möglichkeiten breitentauglicher Kariestherapie

Bonn/Troisdorf, den 27.05.2011 - Bei der Frühjahrstagung der zahnärztlichen Verbände Vereinigung Demokratische Zahnmedizin (VDZM) und Deutscher Arbeitskreis für Zahnheilkunde (DAZ) forderte Prof. Dr. Michael Noack, Direktor der Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie der Universität zu Köln, ein Umdenken der Zahnärzteschaft in der konservierenden Behandlung und stellte verschiedene an-wenderfreundliche und breitentaugliche Konzepte und Materialien vor.

Weiterlesen: PM 27.5.2011

   
Pressemitteilung:

Gesetzliche Krankenversicherung soll mehr Verantwortung für die Zahnversorgung übernehmen


Bonn, den 9. November 2012. Auf ihrer diesjährigen Herbsttagung diskutierten die Mitglieder der Vereinigung Demokratische Zahnmedizin (VDZM) mit dem Stellvertretenden Vorsitzenden des Vorstands des GKV-Spitzenverbands, Johann-Magnus Frh. von Stackelberg, über die zukünftige Entwicklung der Zahnheilkunde in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Beide Seiten sprachen sich gegen Festzuschüsse in der Zahnmedizin aus. Unterschiedliche Auffassungen bestanden allerdings darüber, inwiefern die GKV ihre Rolle als Interessenvertreterin der Versicherten wahrnimmt.

Die VDZM lehnt nach wie vor jegliche Festzuschüsse als unsozial für den Versicherten ab. Von Stackelberg kann sich zwar den Ausstieg aus den Festzuschüssen, welche derzeit zur steigenden finanziellen Belastung der Versicherten führen, vorstellen. Solange aber eine politische Mehrheit die Festzuschüsse wolle, müsse sich die GKV daran halten. Er verwies darauf, dass die Prothetik-Festzuschüsse derzeit überprüft würden. Daraus könnten Verbesserungen resultieren. Auf jeden Fall sollte die Einführung von Mehrkostenregelungen oder Festzuschüssen in weiteren Bereichen verhindert werden. Es sei höchst fragwürdig, dass eine ganze Leistung privat abrechenbar werde, wenn eigentlich nur „ein Fitzelchen“ daran formell nicht zum Leistungskatalog der GKV gehöre. Von Stackelberg forderte, die Eintrittsschwelle zur privatzahnärztlichen Gebührenordnung GOZ zu erhöhen. Er erneuerte seine Forderung nach einem Mitspracherecht der GKV bei den zahnärztlichen Privatrechnungen ihrer Versicherten, beispielsweise durch Verhandlungen über den Steigerungsfaktor. Damit die Kassen die Versicherteninteressen wahrnehmen können, müssten sie Zugang zu den entsprechenden Daten bekommen.

Seitens der VDZM wurde kritisiert, die Krankenkassen hätten ihre Mitglieder allein gelassen. Von Stackelbergs Vorschlag, die Krankenkassen sollten beauftragt werden, die Versicherten auch zu Privatleistungen zu beraten, sah die VDZM kritisch. Das ändere nichts an einem grundsätzlich falschen System. Die VDZM hält die Zeit reif für einen Paradigmenwechsel. Politik und Kassen müssten sich auf die Aufgabe der GKV zurückbesinnen, die Patienten adäquat zu versorgen. Von Stackelberg nannte als Vision Versorgungsnetze. Mit deren Hilfe könnten (Zahn-)Ärzte auch von der Behandlung der GKV-Patienten vernünftig leben.

Diskutiert wurde, wie die Mundgesundheit von Behinderten und Pflegebedürftigen verbessert werden kann. Die Patienten bei der täglichen Mundhygiene zu unterstützen, sei vor allem Aufgabe der Pflegenden, denn nur diese haben den täglichen Zugang. Die VDZM negierte damit die Vorstellung der zahnärztlichen Standesvertreter, die den Eindruck erwecken möchten, das Team aus der niedergelassenen Praxis sei die Lösung des Problems. Von Stackelberg stellte klar, das Anliegen, Mundpflege als Qualitätsfaktor in der Pflege gesellschaftlich ebenso zu etablieren wie die Dekubitusprophylaxe, sei Ansatz der Kranken- und Pflegeversicherung. Es bedürfe gemeinsamer Anstrengungen, die Bevölkerung so aufzuklären und zu unterstützen, dass sie die Mundpflege gewissenhaft und ohne Scheu bei ihren pflegebedürftigen Angehörigen umsetzen kann.


V.i.S.d.P.:   Dr. Jochen Bauer, Vorsitzender der VDZM





   
Krankheitskosten werden mehr und mehr privatisiert

Gesundheitspolitische und fachliche Fortbildung von VDZM und DAZ

Bonn/Köln, den 30.04.2010 – Kritik am Trend zur Ökonomisierung der Gesundheitsversorgung und ein Bekenntnis zur solidarischen Absicherung des Krankheitsrisikos prägten die gemeinsame Frühjahrstagung von VDZM und DAZ. Die Zahnärzteverbände Vereinigung Demokratische Zahnmedizin e.V. und Deutscher Arbeitskreis für Zahnheilkunde e.V. trafen sich am 24. April 2010 in Frankfurt am Main.

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Keine pauschale Ablehnung der GOZ-neu!

Vorschläge von DAZ und VDZM zur Überwindung der Reformblockade


Bonn/Köln, 08. Mai 2009 - "Mehr Rechtssicherheit und Honorargerechtigkeit für alle Beteiligten durch konstruktive Korrekturen an der GOZ-neu" war die Kernforderung der Zahnärzte, die sich zur diesjährigen gemeinsamen Frühjahrstagung des Deutschen Arbeitskreises für Zahnheilkunde (DAZ) e.V. und der Vereinigung Demokratische Zahnmedizin e.V. (VDZM) am 25. 04.2009 in Frankfurt am Main zusammengefunden hatten. Im Zusammenhang mit der anstehenden Novellierung der Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) forderte die Versammlung die Schaffung von mehr Transparenz in der Abrechnung durch zeitgemäße Leistungsbeschreibungen sowie die Abschaffung der vielen Grauzonen und unübersichtlichen Analogbewertungen der alten GOZ. Wichtiges Ziel sei die Vermeidung unnötiger Rechtsstreitigkeiten für Patienten, Zahnärzte und Erstattungsstellen. Im Zuge der sich ausweitenden Privatleistungen auch für gesetzlich Versicherte ist die GOZ inzwischen bedeutsam für die gesamte Bevölkerung.

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