VDZM erinnert an zahnärztliche Opfer
nationalsozialistischer Verfolgung


Vereinigung Demokratische Zahnmedizin veröffentlicht Liste mit Namen verfolgter Zahnmediziner im Internet -
Weitere Informationen gesucht


Bonn, 8. Mai 2005. Aus Anlass des 60 Jahrestages der Befreiung Deutschlands vom Nationalsozialismus erinnert die Vereinigung Demokratische Zahnmedizin e.V. (VDZM) an das Schicksal der vermutlich ca. 1.600 zahnärztlichen Opfer nationalsozialistischer Verfolgung. Aus diesem Grund stellt die VDZM eine vorläufige Namensliste mit den biographischen Daten von 772 verfolgten Zahnmedizinern ins Netz, über deren Schicksal ihr Informationen vorliegen. Zugleich fordert sie alle interessierten Institutionen und Privatpersonen - insbesondere die zahnärztlichen Standesvertretungen - auf, dazu beizutragen, dieser Opfer in angemessener und würdiger Form zu gedenken.

Während der NS-Herrschaft gerieten etwa 1.600 Angehörige zahnmedizinischer Berufe in das Räderwerk des nationalsozialistischen Unterdrückungsapparates. Die übergroße Mehrheit der Opfer wurde wegen ihrer jüdischen Herkunft verfolgt, einige wenige aber wegen ihrer oppositionellen Haltung zum NS-Regime. Die Instrumentarien der Unterdrückung waren vielfältig: Zunächst verloren missliebige Zahnärztinnen und -ärzte in freier Praxis die Kassenzulassung - damals quasi ein Berufsverbot -, im Staatsdienst Beschäftigte wurden entlassen. Hierdurch und durch weitere Drangsalierungen wurden Hunderte von Zahnmedizinern - unter ihnen einige der bedeutendsten Wissenschaftler ihrer Zeit - in die Emigration getrieben. Für die meisten derjenigen jüdischen Zahnmediziner, die kein sicheres Asylland fanden, bedeutete die Verschärfung des Terrors während des Zweiten Weltkrieges Deportation in die Vernichtungslager. Mehr als 85 Namen von Deportierten, die aus der Deportation nicht mehr zurückkehrten, sind bekannt. Die Gesamtzahl der infolge nationalsozialistischer Verfolgung ums Leben gekommenen Zahnmediziner wird sich nie genau ermitteln lassen.

Die VDZM unterstützt alle Vorhaben der Bundeszahnärztekammer (BZÄK), den Opfern unseres Berufsstandes ein ehrendes Andenken zu setzen. Die im September 2003 unter der Federführung der BZÄK begründete Arbeitsgruppe, die eine Dokumentation zur Geschichte der Zahnheilkunde während des Nationalsozialismus einschließlich des Schicksals verfolgter Zahnärzte und Zahnärztinnen erarbeiten sollte, war ein Schritt in die richtige Richtung. Mit Bedauern hat die VDZM davon Kenntnis erhalten, dass dieses Projekt inzwischen eingestellt worden ist.

Die VDZM hat daraufhin beschlossen, die ihr vorliegenden Informationen über die zahnärztlichen Opfer der NS-Verfolgung selbst zu veröffentlichen. Eine vorläufige Namensliste kann unter der Internetadresse www.vdzm.de/opferliste.htm abgerufen werden. Es ist vorgesehen - soweit es die Möglichkeiten der VDZM zulassen - diese Liste weiter zu vervollständigen. Alle, die Kenntnis von weiteren Opfern haben, werden daher um Unterstützung gebeten. 60 Jahre nach Kriegsende wollen wir versuchen, möglichst viele Informationen zu erhalten, bevor es endgültig zu spät ist.

Kontakt:
Vereinigung Demokratische Zahnmedizin (VDZM),
Adenauerallee 58, 53113 Bonn,
Tel.: 0228/21 12 96, FAX (0228) 242 07 54,
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