Zerbröseln die zahnärztlichen Institutionen?

Jürgen PISCHEL zur "zukünftigen Entwicklung der Zahnheilkunde" auf der Herbsttagung der Vereinigung Demokratische Zahnmedizin e.V. (VDZM)


Bonn, 14. November 2006. Um die finanzielle Zukunft der Zahnärzteschaft brauche man sich keine Sorgen zu machen, aber durch strukturelle Veränderungen einerseits und gravierende eigene Fehler anderseits müsse man an der Daseinsberechtigung von KZVen und insbesondere der Kammern erhebliche Zweifel hegen. So die Quintessenz des Vortrages von Jürgen PISCHEL. Herausgeber der Zeitschrift "Die Zahnarztwoche" anlässlich der Herbsttagung der VDZM in Berlin.

Zu Beginn seiner Analyse ging PISCHEL auf die aktuelle Gesundheitspolitik ein und machte deutlich, dass die geplanten Gesetzesvorhaben ihm völlig untauglich erscheinen, den Kostenanstieg in der GKV zu verhindern. Als Folge davon wird es zu weiteren Leistungsausgrenzungen kommen, die insbesondere im Ost- West- Vergleich zu noch größeren Verwerfungen führen werden. Durch das höhere Beitragsaufkommen wird in den alten Bundesländern (bis auf die Sonderheit der Stadtstaaten) das Budget nicht ausgeschöpft, gleichzeitig ist durch die geringere Arbeitslosigkeit die Kaufkraft höher. Bereits 2004 resultierten 55% aller Honorareinnahmen im Westen aus Zuzahlungen der Patienten, während es im Osten nur 27% waren. Mit der Ausgrenzung des Zahnersatzes aus der solidarischen Finanzierung dürfte sich das Verhältnis noch verschlechtert haben. Die Forderung einiger KZVen nach einem einheitlichen bundesweiten Punktwert scheint in absehbarer Zeit aufgrund der Machtverhältnisse nicht durchsetzbar zu sein.

Auf dem Weg zur Einheitsversicherung habe sich -so PISCHEL - die SPD durchgesetzt, auch wenn der geplante PKV- Basistarif nicht an die Kriterien der GKV nach "ausreichend" und "wirtschaftlich" gebunden sein soll.

Die Änderungen im Vertragsarztrecht werden zu neuen Praxisformen führen, wobei u.a. die vorgesehene Niederlassungsfreiheit, Versorgungszentren und Teilpraxisgemeinschaften noch erhebliche rechtliche und finanzielle Fragen aufwürfen, man denke nur an die regionalen Budgets.

Im Folgenden ging PISCHEL auf die Rolle der KZVen und Kammern ein. Wie von ihm erwartet, habe die "Verhauptamtlichung" der KZV- Vorstände dazu geführt, dass Beamtenmentalität und finanzielle Pfründesicherung bei den Betroffenen deutlicher zu spüren wären. Damit sei der Durchgriff des Staates erleichtert worden und die Interessenvertretung der Basis trete in den Hintergrund . Beleg dafür seien die Festkostenregelungen mit ihrer bürokratischen, intransparenten Ausgestaltung, die die Zahnärzteschaft Millionen an entgangenem Umsatz gekostet hätten.

Noch düsterer fiel die Beurteilung der Kammern aus. Die haben nach seiner Meinung den Wandel zur Dienstleistung völlig verschlafen. Weder wurden neue Berufsbilder (z.B. Dentalhygienikerin) geschaffen, noch wurde eine Qualitätssicherung bei der Fortbildung als Eigenlegitimation begriffen. Mit der Abgabe des PKV- Basistarifes an die KZVen wird die Zuständigkeit bei den Privatversicherten geringer, übrig bliebe nur noch die "Berufsethik".

Sollte der Europäische Gerichtshof im Rahmen einer anstehenden Klage sich zudem gegen eine Zwangsmitgliedschaft in einer Kammer aussprechen, dann dürften die Tage der Kammern gezählt sein.

Diese Einschätzung wird in großem Umfang von der VDZM geteilt.

In der Zukunft erwartet PISCHEL, dass die Ansprüche der Patienten mit dem erweiterten Behandlungsspektrum wachsen werden . Die Zahnärzte werden auf diese Entwicklung mit einer weiteren Spezialisierung reagieren, u.a. aus forensischen Gründen. Da die Universitäten aus Kapazitätsgründen kein postgraduiertes Studium anbieten können, eröffnet sich hier ein gewinnträchtiger Markt.

In dieser Beziehung darf man Herrn PISCHEL mit seiner Beteiligung an der Donau- Universität Krems als einen Mann mit Weitblick bezeichnen. In Hinblick auf die immensen Kosten der Master-Kurse aber hoffen, dass die hiesigen Kammern aus ihrem Dornröschenschlaf aufwachen und dieses Feld qualitätsorientiert besetzen.

Kontakt:
Vereinigung Demokratische Zahnmedizin (VDZM),
Adenauerallee 58, 53113 Bonn,
Tel.: 0228/21 12 96, FAX (0228) 242 07 54,
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