VDZM warnt vor Kostenerstattung in der GKV und fordert eine zeitgemäße GOZ

Bonn, 30.11.2010. Auf ihrer Herbsttagung 2010 diskutierten die Mitglieder der Vereinigung Demokratische Zahnmedizin (VDZM) über aktuelle Entwicklungen in der Gesundheitspolitik und deren Auswirkungen auf die Zahnheilkunde. Besonders kritisch werteten die Teilnehmer die von verschiedenen Kreisen propagierte Wiedereinführung der Kostenerstattung in der GKV. Mit Nachdruck wurde eine grundlegende Reform der seit 1988 gültigen GOZ gefordert, die nicht schon wieder an mangelnder Kompromissfähigkeit der Verhandlungspartner scheitern dürfe.

Besorgt zeigten sich die Tagungsteilnehmer darüber, dass das Solidarprinzip weiter aufgeweicht wird und die private Zuzahlung der Versicherten in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) immer mehr zunimmt. Die oftmals geforderte Abkehr vom Sachleistungs- zum Kostenerstattungsprinzip wird als ein Irrweg angesehen, durch die notwendige und sinnvolle Strukturreformen eher verhindert als gefördert werden. Auch unter sozialen Gesichtspunkten birgt die propagierte Kostenerstattung mehr Nachteile als Chancen. Denn gerade den Teilen der Bevölkerung, die finanziell ohnehin schon stark belastet sind, würde die Kostenerstattung, die sich in Leistungsbeschreibung und Gebührenhöhe an der privaten Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) orientiert, weitere Mehrkosten – und kein Mehr an Gesundheit – bedeuten.

Die GOZ – nach nunmehr 23 Jahren völlig veraltet – trägt dem wissenschaftlichen Fortschritt und der wirtschaftlichen Entwicklung nicht mehr Rechnung. Ihre Anpassung ist längst überfällig, durch die Blockadehaltung der Bundeszahnärztekammer (BZÄK) wird sie aber zu Lasten der praktizierenden Zahnärzte weiter hinausgezögert. Die Bundeszahnärztekammer ist aufgerufen, konstruktiv an der Erstellung einer neuen GOZ mitzuarbeiten und zu verhindern, dass der Zahnärzteschaft eine Regelung ohne ihre Mitwirkung übergestülpt wird. Die von der Regierung vorgesehene Öffnungsklausel, die der privaten Krankenversicherung (PKV) die Möglichkeit von Selektivverträgen einräumt, mag zwar in Sinne der Orientierung auf mehr Wettbewerb folgerichtig sein, aber ihre Auswirkungen können für viele Praxen durchaus bedrohlich sein. Abgesehen von völlig neuen direkten Rechtsbeziehungen zwischen Zahnärzten, der PKV und den Versicherten, steht zu befürchten, dass die mögliche Marktdominanz einzelner Versicherungen zum Honorardumping missbraucht werden könnte. Die Öffnungsklausel darf aber dennoch nicht von den zahnärztlichen Vertretungskörperschaften als Anlass genommen werden, um die Verhandlungen über eine neue GOZ scheitern zu lassen.



VDZM:
30 Jahre Oppositionsarbeit in der Gesundheits- und Berufspolitik

Aktuelle Diskussion über Reformen in der zahnärztlichen Aus-, Fort- und Weiterbildung

Marburg/Bonn, 2. Dezember 2008. An den Ort ihrer Gründung, nach Marburg an der Lahn, ist die seit 1978 bestehende Vereinigung Demokratische Zahnmedizin e.V. (VDZM) mit ihrer diesjährigen Herbsttagung zurückgekehrt, um das Jubiläum zu würdigen und die nächsten Aufgaben in den Blick zu nehmen. Konsequent nach dem Motto "Mit der Ausbildung fängt alles an" befasste sich die Jubiläumstagung in Marburg mit dem Thema der aktuellen Reformen der Zahnmedizin-Ausbildung, der Weiterbildung und des postgraduierten Studiums. Als Gastreferent stellte Prof. Dr. Detlef HEIDEMANN, Frankfurt, alternierender Vorsitzender der Vereinigung der Hochschullehrer in der Zahn- Mund- und Kieferheilkunde (VHZMK), die aktuellen Konzepte aus Sicht der Hochschullehrer dar.

Mitglieder der Vereinigung hatten sich schon seit den späten 1960er und in den 70er Jahren im Rahmen der Fachschafts- und Studentenbewegung für eine Studienreform in der Zahnmedizin eingesetzt, die als Novellierung der Approbationsordnung bekanntlich bis heute auf sich warten lässt. Erklärtes Ziel war die Umsteuerung der Zahnmedizin in Ausbildung und Beruf von der Spätfolgenbehandlung auf die Prävention, insbesondere mittels der Förderung von Jugendzahnpflege und Gruppenprophylaxe.

Folgerichtig begrüßten deshalb die Teilnehmer, dass der Reformentwurf zur Approbationsordnung etliche Ideen der VDZM/DAZ Arbeitsgruppe Studienreform aufgenommen hat wie weniger Zahntechnik - mehr Prävention und Patientenbehandlung, Ermöglichung von Modellstudiengängen, Einrichtung von integrierten Kursen. Kritisiert wurde allerdings die schematische Übernahme des Vorklinischen Studiums aus der Medizin und dass zu wenig Raum für Kinderzahnheilkunde, Psychologie, für Behandlungsplanung, wissenschaftliches Arbeiten und Gesundheitswissenschaften vorgesehen ist. Nachbesserungsbedarf bestehe also weiterhin, aber man war sich einig, dass die neue Approbationsordnung nun endlich verabschiedet werden sollte.

In Sachen postgraduierte Ausbildung und Weiterbildung prallten die Meinungen heftiger aufeinander. Masterstudiengänge wurden von Teilnehmern als der Versuch bewertet, Ausbildungsdefizite im regulären Studium quasi durch die Hintertür über kostspielige privatisierte Weiterbildungen auszugleichen. Zwar begrüßten alle Diskutanten durchaus individuelle Spezialisierungen und Qualifizierungen wie sie etwa im Rahmen bisheriger Fortbildungen der Kammern und Gesellschaften zu erwerben sind. Sobald diese aber in elitäre Strukturen wie Mastertitel oder gar neue Fachzahnarztbezeichnungen münden sollten, würde dies einer gesundheitspolitisch gefährlichen Zersplitterung der Zahnheilkunde den Weg bereiten, den umfassend tätigen Allgemeinzahnarzt entwerten und die Breitenversorgung verteuern und gefährden. Daher begrüßt es die VDZM, dass die Bundeszahnärztekammer noch keine Entscheidung über ihre Musterweiterbildungsordnung treffen wollte. Hier bestünde in der Tat noch erheblicher Diskussionsbedarf innerhalb der Zahnärzteschaft und der Gesellschaft.

Die nunmehr seit 30 Jahren bestehende Vereinigung Demokratische Zahnmedizin gründete sich in Abgrenzung zur offiziellen Standespolitik, welche nach Ansicht der oppositionellen Kräfte häufig zu sehr den kurzfristigen Eigeninteressen der Zahnärzteschaft verhaftet blieb. Dagegen hat die VDZM immer für das Konzept einer die Patienten und Versicherten berücksichtigenden und sozial verantwortlichen Gesundheits- und Berufspolitik geworben. So hat die Vereinigung sich stets gegen einen Abbau von Versicherungsleistungen gewendet und ist für den Erhalt und die vernünftige Weiterentwicklung der gesetzlichen Krankenversicherung eingetreten. Dazu gehört auch die Förderung und Sicherung der Qualität in den zahnärztlichen Planungs- und Behandlungsprozessen.

Lange verdrängte Tabuthemen wie die Verfolgung vieler - vor allem jüdischer - Kolleginnen und Kollegen im Nationalsozialismus, aber auch die Verwicklung etlicher Zahnmediziner in Untaten des NS-Regimes, griff die VDZM als erste zahnärztliche Berufsververeinigung auf. Seither bemüht sie sich, in ihren Publikationen darüber aufzuklären, und unterstützt Initiativen, den damals verfolgten und ermordeten Menschen ein ehrendes Andenken zu setzen.

Durch jahrelange kritische und konstruktive Oppositionsarbeit in Zahnärztekammern und Kassenzahnärztlichen Vereinigungen, in denen Mitglieder der VDZM als Einzelpersonen oder über Listenverbindungen vertreten sind, wurde Etliches erreicht, aber das sei kein Grund zur Selbstzufriedenheit, fasste die Vorsitzende der VDZM, Dr. med. Kristina SCHWIGON, Dresden, ihre Bilanz anlässlich 30 Jahre VDZM zusammen. Der Verband werde auch weiterhin die Berufspolitik kritisch und konstruktiv begleiten.

Kontakt:
Dr. med. dent. Burghard HAHN, Pressereferent der VDZM
Kasseler Str. 1a, 60486 Frankfurt am Main
Tel. (069) 77 29 77, Fax (069) 77 30 91